Spätes Essen macht nicht dick
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Auf das „was“ und „wieviel“ kommt es an

27.11.2016 „Iss nicht mehr so spät, sonst wirst du dick“. Diesen „Rat“ kennen wohl die meisten von uns. Aber ist das eigentlich zutreffend? Das King’s College in London wollte es genauer wissen und hat eine Studie mit 1.620 Kindern im Alter von 4 bis 18 Jahren durchgeführt. Überraschend stellten sie fest, dass Kinder und Jugendliche, die noch spät am Abend essen, kein erhöhtes Risiko für Übergewicht haben.

Die Wissenschaftler nahmen in den Jahren 2008 bis 2012 verschiedene Daten der Jungen und Mädchen auf. Der Körpermassenindex (BMI) wurde anhand von Körpergewicht und -größe, Alter und Geschlecht berechnet, um das Gewicht einschätzen zu können. Die jungen Probanden beziehungsweise ihre Eltern füllten jährlich ein Ernährungsprotokoll für vier aufeinanderfolgende Tage aus, anhand der die tägliche Energie- und Nährstoffaufnahme sowie die übliche Zeit des Abendessens (vor oder nach 20 Uhr) bestimmt wurden.

Frühere Studien ließen vermuten, dass die Zeit der Nahrungsaufnahme die innere Uhr und damit auch Stoffwechselprozesse beeinflusst. Das wäre auch für die Gewichtsregulation von Bedeutung. In der aktuellen Untersuchung hatten jedoch Kinder und Teenager, die zwischen 20 und 22 Uhr aßen, kein höheres Übergewichtsrisiko als Altersgenossen mit einem Abendbrot vor 20 Uhr. Auch die Energieaufnahme veränderte sich nicht mit dem Zeitpunkt der Mahlzeit, schreiben die Wissenschaftler im „British Journal of Clinical Nutrition“.

Bei der Nahrungsqualität gab es vereinzelte Unterschiede, die aber nicht wesentlich waren. So nahmen Jungen (4-10 Jahre) mit einem späten Abendessen über den Tag verteilt etwas mehr Eiweiß zu sich, während Mädchen (11-18 Jahre) weniger Kohlenhydrate aufnahmen. „Allerdings aß nur eine begrenzte Zahl der Kinder nach 20 Uhr, was die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst hat“, gibt die Autorin Dr. Gerda Pot zu bedenken. Mögliche Einflussfaktoren auf das Gewicht wie das Weglassen des Frühstücks, körperliche Aktivität und die Schlafdauer wurden noch nicht berücksichtigt.

„Viel wichtiger als der Zeitpunkt der Mahlzeiten ist die über den ganzen Tag aufgenommene Energiemenge“, erklärt Ernährungswissenschaftler Harald Seitz vom aid infodienst. Das gilt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Wer viel snackt, verliert leicht den Überblick, und das kann sich auf der Waage niederschlagen. Mit fest geplanten Mahlzeiten fällt es leichter, die richtigen Lebensmittel und angemessenen Portionsgrößen auszuwählen. Das muss natürlich auf den Alltag der Familie abgestimmt ein, so Seitz. Neben einer ausgewogenen Ernährung brauchen Kinder viel Bewegung und ausreichend Schlaf, um fit zu sein und ein gesundes Körpergewicht halten zu können.

Weitere Informationen:

http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=10266822&fileId=S0007114516000635

http://www.aid.de/inhalt/wann-esse-ich-986.html

aid-Heft „Das beste Essen für Kinder - Empfehlungen für die Ernährung von Kindern“
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Quellen:
Heike Kreutz, www.aid.de
Bild: © pixabay
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