Saisonal und trotzdem exotisch
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Heutzutage wissen nur noch wenige Menschen, zu welchem Zeitpunkt eine Obst- oder Gemüseart aus deutscher Produktion stammt. Denn im Gegensatz zu früher können wir das ganze Jahr über auf eine breite Palette an Obst und Gemüse zugreifen.

01.01.2017 Ob Erdbeeren im Winter oder Feldsalat im Sommer, die Globalisierung und der technische Fortschritt machen es möglich. Doch ist dieses umfangreiche ganzjährige Angebot notwendig und ökologisch sinnvoll?

Natürlich bedeutet saisonal einkaufen nicht, dass die Menschen wieder ins Mittelalter zurückfallen und nur noch Obst und Gemüse einkaufen sollen, die bei ihnen im Land wachsen. Dann müssten die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland auf Bananen, Mandarinen und Co. verzichten. Dadurch wäre die Ernährungsweise jedoch wieder sehr eingeschränkt. Besonders in den Wintermonaten wäre es schwierig, ausreichend Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit außer-saisonalen Produkten ist also gefragt.

Höhere Qualität während der Saison

Obst und Gemüse benötigen nicht nur ihre Zeit zum Wachsen und Reifen, sondern auch ausreichend Wärme und Licht. Es gibt einige Arten, die nach der Ernte nicht mehr weiter reifen, wie beispielsweise Erdbeeren, Trauben oder Mandarinen. Wenn Früchte und Gemüse jedoch reif geerntet werden, haben sie einen höheren Nährstoffgehalt. Bei zu früh geernteten Arten ist der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen dagegen geringer. Der richtige Zeitpunkt der Ernte hat allerdings nicht nur einen Einfluss auf den Nährstoffgehalt, sondern auch auf den Geschmack. Typische Aromen entwickeln sich nämlich nur voll aus, wenn die nicht nachreifenden Arten zur richtigen Zeit geerntet werden. Die Kundinnen und Kunden sind zufriedener, wenn der Geschmack stimmt und kaufen dann auch eher ein Produkt wiederholt ein. Die starke zeitliche Begrenzung, wie beispielsweise bei deutschem Spargel, macht das Gemüse zu etwas Besonderem.

Klimaschutz durch saisonalen Anbau

Damit das Angebot das ganze Jahr über so umfangreich ist wie wir es kennen, muss der Anbau zeitlich immer weiter ausgeweitet. Statt auf den Freilandanbau zu warten, werden bereits vor der eigentlichen Saison einige Arten im Treibhaus oder unter Vlies angebaut. Obst und Gemüse außerhalb der Saison zu verfrühen, kostet in der Erzeugung mehr Ressourcen und belastet die Umwelt. Beim Anbau im beheizten Treibhaus wird im Gegensatz zum Freilandanbau wesentlich mehr CO2 gebildet. Der Dissertation "Umweltfolgen des Nahrungsmittelkonsums – Beurteilung von Produktmerkmalen auf Grundlage einer modularen Ökobilanz" von Nils Jungbluth (2000) zufolge, wird beim Anbau von Kopfsalat im Treibhaus etwa 32-mal mehr CO2 produziert als im Freiland. Als Treibhausgas ist CO2 an der Erderwärmung beteiligt. Eine hohe Konzentration wirkt sich damit negativ auf die Umwelt aus.

Transportwege beachten

Der Verzicht auf exotische Früchte muss aber nicht sein. Wie bereits erwähnt, würde dies zu einer zu stark eingeschränkten Ernährungsweise führen. Doch trotzdem kann in diesem Zusammenhang einiges berücksichtigt werden. Nicht nur die Länge des Transportweges, sondern auch die Art des Transportmittels ist entscheidend, um Energie und Rohstoffe einzusparen. Allgemein gilt dabei, dass kurze Transportwege zu bevorzugen sind. Obst und Gemüse, das auch in den europäischen Ländern angebaut werden kann, muss nicht zwingend aus Übersee importiert werden. Der Transport mit dem Flugzeug verbraucht am meisten Energie und Rohstoffe. Der Schifftransport ist dagegen für die Ökobilanz wesentlich günstiger. Früchte wie Bananen, Mangos und Avocados werden in der Regel mit dem Schiff nach Europa transportiert. Exoten wie Passionsfrüchte, Physalis oder Litchis werden dagegen eingeflogen. Der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. zufolge, wird beim Schifftransport lediglich drei Prozent der CO2-Menge produziert, die beim Transport mit dem Flugzeug entstehen würde. Ein Blick auf die Anbaumethode, das Ursprungsland sowie das Transportmittel lohnt sich somit für Mensch und Umwelt. Und ein wenig Verzicht gehört doch auch zur Nachhaltigkeit, denn Erdbeeren im Winter braucht man nun wirklich nicht.

Überseeware verdrängt heimische Produktion: Am Beispiel Kartoffeln

Es kann auch vorkommen, dass Ware von weit her zu uns kommt, obwohl eigentlich noch ausreichend Obst und Gemüse aus deutscher Produktion vorhanden ist. Dies geschieht beispielsweise bei Biokartoffeln alljährlich. Manche Kartoffelsorten können noch bis in den April hinein gelagert werden. Ende Februar kommen jedoch bereits die ersten Biofrühkartoffeln aus Ägypten in die Läden. Mit der Initiative "Bio-Kartoffeln von hier – 300 Tage im Jahr", die seit 2010 vom Bio Kartoffel Erzeuger e.V. ins Leben gerufen wurde, stammen mittlerweile bis in den Mai hinein die Kartoffeln aus heimischer Produktion. Für den Händler kann eine lange Beibehaltung von deutscher Ware auch eine Möglichkeit darstellen, sich von anderen Marktteilnehmern abzuheben und die Bioglaubwürdigkeit zu stärken. Auch für anderes Bioobst und -gemüse gibt es eine Vielzahl an Projekten und Initiativen, die sich mit dem Thema Saisonalität beschäftigen.
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
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