Nachhaltiger (Bio-) Fisch
Coss-Moss Bereich Essen & Trinken Top Beitrag

Nachhaltiger (Bio-) Fisch

04.07.2017 Biofisch stammt immer aus Aquakultur. Eine Biozertifizierung von Wildfängen ist nicht möglich. Neben der Biozertifizierung gibt es noch andere Nachhaltigkeitszertifizierungen für Fisch: die ASC- und MSC-Zertifizierung.

Nachhaltiger Aquakultur: ASC-Zertifizierung

Das Aquaculture Stewardship Council (ASC) hat zusammen mit dem WWF Richtlinien für eine nachhaltige Aquakultur aufgestellt. Diese ASC-Standards machen genaue Vorgaben für die optimale Praxis und betreffen zum Beispiel die Einhaltung der rechtlichen Vorschriften, die Bewahrung der natürlichen Umwelt und der Biodiversität sowie den Schutz von Wasser und Gewässern. Auch der Schutz der Artenvielfalt und der Wildbestände, Tiergesundheit und der verantwortungsvolle Umgang mit Tierfutter und anderen Ressourcen sind in diesen Standards beinhaltet. Fisch aus einer nachhaltigen Aquakultur trägt dieses ASC-Siegel.

Nachhaltige Meeresfischerei: MSC-Zertifizierung

Fische und Meeresfrüchte, die nachhaltig gefangen wurden, sind mit dem Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) gekennzeichnet. Auch Unternehmen, die Fischprodukte mit dem MSC-Siegel vertreiben möchten, müssen sich nach dem Rückverfolgbarkeits-Standard des MSC zertifizieren lassen.

Biofisch: Ökologische Aquakultur

Ökologische Aquakulturbetriebe können sich seit 2009 zertifizieren lassen und ihre Produkte entsprechend gekennzeichnet verkaufen. Aufgrund der zunehmenden Orientierung der Verbraucherinnen und Verbraucher hin zu Fisch aus ökologischer Aquakultur ist das Angebot an zertifiziertem Biofisch inzwischen groß: Aus Gegenden mit Teichwirtschaft kommen Süßwasserfische wie Forelle, Karpfen, Saibling, Tilapia und Pangasius; aus Meereskultur Dorade, Wolfsbarsch, Lachs und Garnelen. In Europa wachsen vor allem Lachs, Forelle, Karpfen und auch Austern in einer Aquakultur auf.

Im Naturkostfachhandel ist Fisch in Bedienung eher die Ausnahme. Hier wird bevorzugt Tiefkühlware angeboten.

Lachs dominiert den Biofischmarkt

Die Nummer eins ist volumenmäßig ganz klar der Lachs. Dieser gehört zu der Familie der Salmoniden. Der atlantische Lachs (Salmo salar) verbringt seine Jugendzeit im Süßwasser der Flüsse, wandert anschließend ins Meer und kommt zum Laichen zurück in die Süßgewässer zu seinen Laichplätzen im Oberlauf der Flüsse. Da er bis zur Geschlechtsreife im Süßwasser lebt, zählt Lachs zu den Süßwasserfischen. Kennzeichnend für alle lachsartigen Fische ist die zwischen Rücken- und Schwanzflosse lokalisierte sogenannte Fettflosse.

Aufgrund drastischer Rückgänge der Bestände wurden zeitweise an der US-amerikanischen, kanadischen und auch an der norwegischen Küste totale Fangverbote erlassen. Mittlerweile sind in begrenzten Umfang Fänge zulässig, Wildfänge des atlantischen Lachses gelangen aber nur sehr selten auf den Markt.

In ökologischen Aquakulturen können sich die Lachse ihrer Art entsprechend in großzügig angelegten, im Meer verankerten Netzgehegen ausschwimmen. Sie bekommen eine Ernährung, die im Rahmen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau auf ihre Bedürfnisse bestmöglich abgestimmt ist. Allerdings gibt es in der ökologischen Aquakultur Unterschiede in der Zusammensetzung der Nahrung für Lachse. Die Naturland Betriebe dürfen beispielsweise nur Fischmehl und Fischöl aus nachhaltigen Quellen verfüttern, das sind dann Nebenprodukte aus der Verarbeitung von Speisefischen. Der Anteil an Fischmehl und Fischöl in der Ration ist bei Naturland begrenzt. Pflanzliche Futtermittel müssen Naturland beziehungsweise Ökoqualität aufweisen. Fischreste aus der konventionellen Aquakultur dürfen hier nicht verfüttert werden. Dies hingegen erlauben die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, genauso wie unbegrenzte Mengen an Fischmehl aus ganzen Fischen. Dank der deutlich geringeren Besatzdichte in der ökologischen Lachshaltung ist der Krankheitsdruck geringer als in anderen Haltungsformen, so dass auf vorbeugende Medikamentenfütterung verzichtet werden kann. In Deutschland wird Biolachs als Fisch mit und ohne Kopf, in Scheiben, als Filet mit und ohne Haut, tiefgefroren, geräuchert oder gebeizt vermarktet. Er eignet sich zum Braten, Grillen, Kochen und Dünsten.

Die Forelle ist der wichtigste Süßwasserfisch

Die Forellen gehören ebenso wie die Lachse zur Familie der Salmoniden. Es gibt sie in vielen verschiedenen lokalen Rassen und Formen, die bekanntesten Arten sind die Bach- und die Regenbogenforelle. Die Regenbogenforelle war ursprünglich nur in den Küstengebieten Nordamerikas verbreitet. Heute wird sie in Deutschland als Süßwasserfisch gezüchtet, lebt aber zum Teil auch in freien Gewässern. Hauptnahrung sind Insekten, Krebse und kleinere Fische. Die Bachforelle ist die in Europa heimische Forellenart. Sie liebt kalte, sauerstoffreiche und schnell fließende Gewässer bis in eine Höhe von 2.500 Metern über dem Meeresspiegel. Als Hauptnahrung dienen den Bachforellen Insekten, Flohkrebse, kleine Schnecken und Würmer.

In 1.000 Litern Wasser wachsen in der ökologischen Aquakultur maximal zehn Kilogramm Fische heran. Dies ermöglicht es den Tieren, Schwärme zu bilden und den Teich aktiv zu durchschwimmen. Die ständige Bewegung wirkt sich positiv auf die Qualität des Fleisches und die Tiergesundheit aus. Auch Forellen werden in der ökologischen Aquakultur wie Lachse nur mit Fischmehl und Fischöl, die aus nachhaltigen Quellen stammen, gefüttert. Zudem suchen sich die Tiere weiteres natürliches Futter wie Flohkrebse und Insekten. Zur Fütterung von Lachsforellen und großen Regenbogenforellen, die eine rötliche Fleischfarbe haben, werden in der ökologischen Forellenzucht natürliche Hefen in der Fütterung eingesetzt.

Karpfen können sich fast komplett aus dem Teich ernähren

Der Karpfen gehört zu der Familie der Cypriniden. Karpfen bevorzugen stehende oder langsam fließende Gewässer mit Sand- und Schlammgrund und reichem Pflanzenbewuchs. Sie sind widerstandsfähig und stellen keine hohen Ansprüche an die Wasserqualität. Sie vertragen auch geringe Sauerstoffgehalte. Ihre Nahrung besteht aus Würmern, Kleinkrebsen und Insektenlarven, die sie aus dem Boden wühlen. Außerdem ernähren sie sich von Unterwasserpflanzen und Phytoplankton. Im Winter ziehen sich Karpfen in Gruppen in tieferes Wasser zurück und verfallen in eine Art Winterschlaf. Drei- bis viersömmerige Karpfen erreichen meist 30 bis 40 Zentimeter Körperlänge und wiegen ein bis zwei Kilogramm.

Der Karpfen ist aufgrund seiner Krankheitsresistenz, der Anspruchslosigkeit, des schnellen Wachstums und des ausgezeichneten Geschmacks zum beliebtesten Teichfisch der Erde geworden. In Teichen gehaltene Karpfen werden mit Netzen oder Keschern lebend abgefischt. Hierbei wird meistens das Wasser der Karpfenteiche abgelassen. Anschließend werden die Karpfen noch einige Zeit im Klarwasser gehalten, weil sie aufgrund ihrer Ernährungsweise einen nicht immer als angenehm empfundenen Geschmack aufweisen können. Dieser kann durch die Hälterung in Klarwasser (die zeitlich befristete Aufbewahrung von lebenden Fischen ohne Fütterung), aber auch durch eine extensive Fütterung, wie sie in der ökologischen Karpfenerzeugung vorgeschrieben ist, verbessert werden. Biokarpfen werden ausschließlich frisch entweder als ganze Fische, gespalten oder als Filets angeboten. Vereinzelt wird Karpfen heißgeräuchert (zum Beispiel als Karbonaden oder Filet) verkauft.

Pangasius hat in Vietnam eine Tradition als Zuchtfisch

Der Pangasius gehört zur Familie der Welse. Er ist ein Süßwasserfisch, der in den Flüssen und Seen Südostasiens lebt. Er ist ein schnell wachsender Pflanzenfresser, der seine Nahrung am Boden sucht. Die Gruppe der Pangasii ist groß. In Europa wird der fettarme Pangasius hypophthalmus vermarktet, auf dem asiatischen Markt der fettreichere Pangasius bocourti.

Biopangasius aus ökologischer Aquakultur wächst in großen Gehegen in fließenden Gewässern auf. Er ist aufgrund der Strömung ständig in Bewegung. Daher ist sein Fleisch sehr zart und saftig mit einem besonders niedrigen Fettgehalt. Die Biopangasien von "Deutsche See" werden in der einzigen Biopangasius-Farm, die es im Vietnam gibt, aufgezogen. Dort haben die Fische in großen, in den Mekong integrierten Gehegen besonders viel Bewegungsfreiheit. Mit der Zertifizierung von Biopangasius durch Naturland wurde 2001 der Grundstein für dieses weltweit einzigartige Aquakulturprojekt gelegt. Auf speziellen Lastenschiffen, die einen möglichst schonenden und stressfreien Transport gewährleisten gelangen die Pangasien lebend in biozertifizierten Fabriken, in denen sie gemäß europäischer Standards weiterverarbeitet werden. Vermarktet wird Pangasius überwiegend als Filet frisch und auch tiefgefroren. Er eignet sich zum Dünsten, Braten und Grillen.

Garnelen (Shrimps) kommen in der ökologischen Aquakultur ohne zusätzliche Fütterung aus

Garnelen (englisch Shrimps) sind in Deutschland die beliebtesten Krebstiere. Umgangssprachlich werden sie oft auch als Krabben bezeichnet. Dies ist jedoch falsch, denn Krabben sind Kurzschwanzkrebse, Garnelen hingegen gehören zu den Langschwanzkrebsen. Die Familie der Garnelen ist weitverzweigt, weltweit gibt es 2.000 bis 3.000 Garnelenarten.

Auch Garnelen werden in ökologischen Aquafarmen gezüchtet. Ihr Lebensraum sind großflächige Teiche mit einem reichen Vorkommen an Algen und Plankton. Diese bilden den wichtigsten Teil der Nahrung, so dass zusätzliche Futtergaben erheblich reduziert werden können. Biogarnelen kommen aus Südamerika, Südostasien oder Asien. Niedrige Besatzdichten von maximal 15 Garnelen je Quadratmeter ermöglichen eine Haltung mit minimaler Zufütterung und eine optimale Tiergesundheit. Bioshrimps werden fangfrisch gekocht, geschält, ausgenommen und schonend tiefgefroren, so kann auf Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe verzichtet werden.

Tilapia ist der perfekte Aquakulturfisch

Unter dem Namen Tilapia gehandelte Fische gehören zur Familie der Buntbarsche. Vertreter dieser artenreichen Familie sind in den tropischen und subtropischen Gebieten von Afrika, Madagaskar, Südamerika und Asien beheimatet. Ursprünglich stammt der Tilapia aus dem Nilgebiet. Die weite Verbreitung zeigt, dass der Fisch sehr anpassungsfähig an seine Umgebung ist, meist verdrängt er hierbei andere Arten. Tilapia leben bei Wassertemperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Weniger anspruchsvoll ist er hingegen in Bezug auf die Qualität oder die Zusammensetzung des Wassers. Nicht nur in leicht salzigem oder brackigem Wasser, auch im Süßwasser fühlt er sich wohl. Wenig wählerisch ist der omnivore Tilapia auch bei der Zusammensetzung seiner Nahrung. Die meisten der Tilapiaarten sind Pflanzenfresser. Als guter Futterverwerter wächst er bei optimalen Temperaturen sehr schnell.

In Projekten der technischen Zusammenarbeit wird die Tilapiazucht zur Eindämmung von chronischem Eiweißmangel in Entwicklungsländern gefördert. Der Fisch ist zudem relativ widerstandsfähig gegenüber Krankheiten - eine Eigenschaft, die für Entwicklungsprojekte genauso wichtig ist wie für die Haltung in ökologischer Aquakultur. Der Tilapia ist mit seinem weichen und süßen Fleisch in Deutschland noch relativ unbekannt. Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation werden Tilapien aber auch für die europäischen Märkte immer wichtiger. Tilapia aus ökologischer Aquakultur wird in Deutschland üblicherweise filetiert gehandelt. Er kommt frisch und gefroren in den Handel. Der ökologische Vorzug der tiefgefrorenen Ware ist, dass auf Flugtransporte verzichtet werden kann. Der Fisch eignet sich zum Braten, Grillen, Kochen und Dünsten.

Produktionsunternehmen können Händlerinnen und Händlern beim Verkauf helfen

Nicht nur bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, auch im Handel besteht beim Thema ökologische Aquakultur ein großes Informationsdefizit. Umso wichtiger ist es, dass das Personal für den Verkauf von Fisch qualifiziert ist. Deshalb bietet zum Beispiel Naturland Händlerinnen und Händlern und deren Personal Unterstützung anhand von Informationsmaterial und der Vermittlung von Kontakten zu Erzeugern und Verarbeitern. Beratung finden Händlerinnen und Händler auch bei der Deutschen See, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Thekengestaltung und der Auswahl an Kühltechnik unterstützen. Auch Schulungen sowie schriftliches Informationsmaterial zum Thema Biofisch stellt das Unternehmen zur Verfügung.

Bei der Sortimentsgestaltung im Naturkostfachhandel sollte, ungeachtet des Angebotes aus aller Welt, auch Fisch aus der Region fester Bestandteil sein. Die Kommunikation der Transparenz der Herkunft spielt hier eine entscheidende Rolle. Tiefkühl- und Convenienceprodukte sowie Dosenfisch sollten ebenfalls nicht fehlen im Sortiment. Verköstigungsaktionen können helfen das Thema Biofisch besser zu kommunizieren und somit die Skepsis einiger Kundinnen und Kunden zu beseitigen.
WERBUNG
Verwandte Produkte zu dieser Meldung
  • Natur Lachs-Filets
  • Bio Lachs-Filets Natur
  • Bio Garnelen, gekocht & geschält
  • Bio Garnelen, roh & geschält
  • Bio Fischstäbchen (Lachs)
  • Bio Riesengarnelen
Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
zurück zur Übersicht
Das könnte dich auch interessieren
  • Bäuerlichen Betrieben eine Zukunft geben Abbildung

    Bäuerlichen Betrieben eine Zukunft geben

  • Sommerdrinks für heiße Tage Abbildung

    Sommerdrinks für heiße Tage

  • Sortenreine Produkte in unseren Bäckereien Abbildung

    Sortenreine Produkte in unseren Bäckereien

  • Mit diesen Tipps ganz einfach Insekten helfen Abbildung

    Mit diesen Tipps ganz einfach Insekten helfen

  • Green Product Award 2017 Abbildung

    Green Product Award 2017

  • Allergenkennzeichnung Abbildung

    Allergenkennzeichnung

  • Erster Bio-Dünger aus 100 % regionalem Klee Abbildung

    Erster Bio-Dünger aus 100 % regionalem Klee

  • Biokreis tritt Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser bei Abbildung

    Biokreis tritt Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser bei