Ökologische Honigbienenhaltung
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Honig ist das leckerste und auch bekannteste Produkt, das wir den Bienen zu verdanken haben

26.10.2016 Ganz besonders dankbar sollten wir ihnen allerdings für etwas ganz anderes sein. Denn ohne ihre Bestäubungsarbeit würden viele unserer Pflanzen nicht existieren. Rund 85 Prozent der 2000 bis 3000 einheimischen Nutz- und Wildpflanzenarten sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Nahezu alles heimische Obst könnten wir ohne die fleißigen Bienen von unserem Speisezettel streichen.

Aber nicht nur unser Speiseplan wäre damit erheblich eingeschränkt, sondern auch der von vielen Käfern, Vögeln und Insekten, die sich von Pflanzensamen ernähren, wäre betroffen. Kurz: Die Folgen für uns und die Artenvielfalt ohne diese fleißigen Nutztiere wären fatal. Es gibt also viele Gründe, gut für unsere Bienen zu sorgen.

Bestäuben tun Bienen übrigens eher unabsichtlich. Sie schwirren eigentlich von Blüte zu Blüte, um Nektar und Pollen für ihr Bienenvolk zu sammeln. Dabei bleibt ganz nebenbei immer ein bisschen Blütenstaub an ihrem feinen Haarkleid haften, den sie auf den nächsten Blüten wieder abstreifen. Damit "bestäuben" sie die Blüten und schaffen bei vielen Pflanzen die Voraussetzung dafür, dass sich aus den Blüten Samen und Früchte entwickeln.

Wie leben (Bio-) Honigbienen?

In der freien Natur leben Bienen in Hohlräumen von Bäumen. Dort bauen sie ihre Waben aus Wachs. In den sechseckigen Zellen ziehen sie ihren Nachwuchs groß und lagern ihre Vorräte für den Winter ein. Früher ernteten die Menschen Honig aus diesen Baumhöhlen. Aber schon vor dreitausend Jahren begannen sie, künstliche Wohnungen für die Bienen bereitzustellen, um leichter an den begehrten Honig zu gelangen.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Bienenkästen, in denen die Bienen ihre Waben in vorgegebenen Rähmchen bauen. Diese kann man einfach entnehmen und wieder in das Volk zurückhängen. Die meisten Bienen in Deutschland werden heute in solchen Bienenkästen gehalten.

Imkerinnen und Imker "betreuen" die Bienen. Sie stellen die Bienenkästen an geeigneten Orten auf, sorgen dafür, dass die Bienen gesund bleiben, ernten den Honig und füttern die Bienen bei Bedarf.

Die Haltung von Biobienen ist in den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau geregelt. Die Vorschriften legen fest, dass Biobienen möglichst in der Nähe von Biohöfen oder extensiv genutzten Flächen aufgestellt werden und nicht in der Nähe von "nicht-landwirtschaftlichen Verschmutzungsquellen", also zum Beispiel Industrieanlagen oder Müllkippen.

Darüber hinaus regeln sie vor allem die Maßnahmen, die die Behandlung der Bienenkisten und des Bienenvolkes, die Gewinnung des Honigs und die Fütterung der Bienen betreffen:

In der biologischen Bienenhaltung muss das Wachs, das für die "Mittelwände" in den Rähmchen verwendet wird, aus ökologischer Bienenhaltung stammen.

Für die Bekämpfung von Krankheiten dürfen nur bestimmte Mittel verwendet werden.

Das Winterfutter muss aus ökologischer Herstellung stammen.

Die Bienenkästen müssen aus natürlichen Materialien bestehen.

Alle Materialien dürfen nur mit bestimmten zugelassenen Mitteln gereinigt werden.

Die Flügel der Königin dürfen nicht beschnitten werden, um zu verhindern, dass sie "schwärmt", das heißt mit einem Teil des Volkes eine neue Wohnung sucht. Ökoimkerinnen und -imker müssen durch andere Maßnahmen verhindern, dass die Königin in Schwarmstimmung gerät.

Aufbau eines Biens

"Bien" ist wohlgemerkt kein Rechtschreibfehler, sondern ein Begriff für das Bienenvolk. Er veranschaulicht, dass das Bienenvolk als Ganzes einen Organismus darstellt. In einem Bienenvolk leben bis zu 60.000 Bienen. Eine einzelne Biene könnte alleine gar nicht überleben. Die Königin bildet zusammen mit ihren Arbeiterinnen und Drohnen eine perfekt organisierte Gemeinschaft, in der jede Biene ganz genau weiß, was sie zu tun hat. So halten zum Beispiel "Heizerbienen" die Temperatur im Bienenstock auf 33 bis 36 Grad Celsius. Wird es zu heiß, kühlen die Bienen den Bienenstock mit Wasser ab, wird es zu kalt, erzeugen sie Wärme durch schnelle Bewegungen ihrer Flügelmuskulatur.

Drei verschiedene Typen von Honigbienen leben in einem Bien:

Königin: In einem Bienenvolk lebt eine einzige Königin. Sie ist die einzige im ganzen Bien, die sich fortpflanzen kann. An einem Tag kann sie bis zu 2.000 Eier legen – das ist mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Sie ist die größte Biene und wird etwa eineinhalb bis zweieinhalb Zentimeter lang. Die Bienenkönigin kann mehrere Jahre alt werden. Aus einem Ei entwickelt sich nur eine Königin, wenn es in eine speziell geformte Brutzelle, der Weiselzelle, gelegt wird und die geschlüpfte Made mit einem besonders nahrhaften Futtersaft, dem sogenannten "Gelee Royal" gefüttert wird.

Arbeiterinnen: Die weiblichen Bienen in einem Volk heißen Arbeiterinnen. Das sind die Bienen, die wir normalerweise herumfliegen sehen. Sie produzieren Wachs, räumen den Bienenstock auf oder sammeln Pollen und Nektar zur Versorgung des Nachwuchses und als Wintervorrat.

Drohnen: Die männlichen Bienen heißen Drohnen. Sie entstehen durch Parthenogenese. Das bedeutet, sie haben keinen "Vater" und entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern. Drohnen gehen nicht auf Nahrungssuche und haben auch keinen Stachel. Ihre einzige Aufgabe ist es, eine Königin auf ihrem Hochzeitsflug zu befruchten, damit diese Eier für neue Arbeiterinnen oder eine Königin legen kann. In einem Bienenvolk leben nur ein paar hundert Drohnen, sie werden nur wenige Wochen alt. Sie sterben wenige Stunden nach der Begattung, da ihr Hinterleib abreißt, wenn sie sich von der Königin lösen wollen. Und die Drohnen, die keine Königin zur Begattung finden, werden im Herbst von den Arbeiterinnen aus dem Stock geschmissen oder tot gestochen. Denn die Honigvorräte für den Winter sind begrenzt und müssen geschont werden.

Die Arbeiterinnen im Bienenstock haben je nach Alter unterschiedliche Aufgaben für die Gemeinschaft zu erfüllen:

Die "Jungbienen" putzen die Bienenwohnung (die "Beute") und wärmen die Brut.

Die "jugendlichen Bienen" sind für die Fütterung der Brut verantwortlich. Die sogenannten Ammenbienen ziehen die Nachkommen mit einer Art „Muttermilch“ groß, die sie in speziellen Drüsen erzeugen.

Die "jungen Erwachsenen" sind mit der Honigpflege beschäftigt und arbeiten als Bau- und Wächterbienen.

Erst im letzen Teil ihres Lebens verlassen die Bienen ihre Beute und bringen als Sammel- und Flugbienen Nektar, Pollen und Wasser zum Bienenvolk.

Es gibt viele Gründe, gut für unsere Bienen zu sorgen. Neben dem leckeren Honig, den sie produzieren, sollten wir den fleißigen Nutztieren vor allem für ihre Bestäubungsarbeit dankbar sein. Rund 85 Prozent der 2000 bis 3000 einheimischen Nutz- und Wildpflanzenarten sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig.
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
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