Keimlinge und Sprossen in Bioqualität selbst ziehen
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Keimlinge und Sprossen sind im Quark, Salat oder Smoothie bereits in vieler Munde

06.02.2017 Während mit Keimling die ersten sichtbaren Veränderungen des Samens gemeint sind, bezeichnet Sprossen die oberirdisch wachsenden Teile einer jungen Pflanze. Oft werden diese beiden Wachstumsstadien aber auch sprachlich in einen Topf geschmissen. Auf jeden Fall können die "Pflanzenbabys" unsere Alltagsküche geschmacklich bereichern und vor allem gesundheitlich aufwerten. Denn in den Jungpflanzen sind die in Gemüse- und Getreidesorten enthaltenen Nähr- und Vitalstoffe hochkonzentriert.

Keimlinge lassen sich aus Samen vieler Pflanzenarten gewinnen, deren Blätter, Stängel oder Früchte essbar sind. Aber nicht aus allen: Nachschattengewächse wie Kartoffeln und Tomaten oder Gartenbohnen enthalten Giftstoffe. Naturgemäß eignen sich Samen aus ökologischem Anbau am besten. Schließlich ist Biosaatgut garantiert nicht gebeizt, bestrahlt oder mit Chemikalien belastet. Biosaatgutbetriebe arbeiten nach den gleichen Richtlinien wie Biolandwirtinnen und Biolandwirte und werden ebenfalls von unabhängigen Kontrollstellen überprüft.

Große Vielfalt an Kulturen und Sorten

Darüber hinaus haben die Biosaatgutfirmen viele alte Sorten im Programm. Die sind samenfest. Das heißt sie lassen sich anders als die gekreuzten, hochgezüchteten Hybridsorten selbst weitervermehren. Außerdem enthalten diese ursprünglichen Sorten mehr Vitalstoffe. "Bei der Züchtung verarmt das genetische Potenzial, und es sinkt der Nährstoffgehalt. So enthalten unsere heutigen Gemüse ein Drittel weniger Mineralien als noch vor dreißig Jahren", erklärt Andrea Fischer vom Biosaatgutvertrieb Himmel und Erde. Gerade Biozüchterinnen und Biozüchter graben immer wieder alte Kulturen aus. Beispielsweise hat der niederländische Biosaatguthersteller De Bolster den Rübstiel neu ins Programm aufgenommen. Dieses früher in Holland und im Rheinland bekannte Blattgemüse ist leicht zu ziehen.

Keimlinge sind alle Superfood

Klassische Fensterbankgewächse sind Kresse und Alfalfa. Frische Kresse enthält wertvolle Senföle und wirkt blutreinigend. Ihr nussig scharfes Aroma passt gut zu Eier- und Quarkspeisen. Die heimische Kleesorte Alfalfa schmeckt etwas milder und kann teure Chiasamen ersetzen. Gekeimt liefert sie neben vielen Enzymen auch viel Vitamin C. Asiatisch angehaucht ist der herb-würzige Bockshornklee. Diese Originalzutat im Curry enthält viel Vitamin A und C und wirkt stimulierend auf die Leber. Ebenfalls asiatische Wurzeln haben die Mungbohnen. Ihre Sprossen passen gut zu Wokgerichten. Die Sprossen des Brokkolis sind besonders wertvoll: sie enthalten den von der Universität Heidelberg nachgewiesenen krebshemmenden Wirkstoff Sulforaphan.

Lecker im Salat sind die Keimlinge von Radieschen, Roter Rettich und Sonnenblumen. Letztere sorgen für einen nussigen Geschmack. Schnittlauchknoblauch schmeckt wie Bärlauch und lässt sich das ganze Jahr über auf der Fensterbank ziehen.

In zwei Tagen vom Biosamen zum Keimling

Wer Keimlinge testen will, braucht zunächst nur ein Glasgefäß, ein Sieb und ein Samentütchen. So geht´s: einen Esslöffel Samen abends in ein mit Wasser gefülltes Glas rühren, am nächsten Morgen die Samen heraussieben und in eine flache Glasschüssel schütten. Damit die Samen feucht bleiben, sollte man sie noch zwei bis dreimal am Tag über einem Sieb durchspülen. Nach 24 bis 48 Stunden platzt im Regelfall die Samenhülle auf und der Keim entfaltet sich. „In dem Moment haben die gekeimten Saaten ihre höchsten Nährstoffgehalte und bestes Aroma. Daher sollten wir die Keimsaaten genießen, sobald sie weich sind“, erklärt Sprossenexpertin Andrea Fischer. Bleiben die Saaten länger im Wasser, muss man nicht gekeimte Körner aussortieren. Die könnten ansonsten anfangen, zu schimmeln. Alternativ lassen sich Keimlinge auch in mit feuchtem Mull belegte flache Schalen heranziehen.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann in Keimschalen investieren. Dort liegen die Samen auf einem Gittereinsatz, saugen von unten Wasser und bekommen von oben Luft.

Grassaft aus Erdkulturen

Für Smoothies und als Trinkkur erfreuen sich "Grassäfte" steigender Beliebtheit. Dafür bietet beispielsweise die Bingenheimer Saatgut AG ein spezielles "Smoothie-Gras" an. Dieses Gerstengras lässt sich auf einer hellen Fensterbank einfach kultivieren. Dazu die Samen vor der Aussaat über Nacht einweichen, anschließend eng nebeneinander im Blumentopf verteilen und feucht halten. Bereits nach einer Woche, wenn das junge Gerstengras 15 bis 20 Zentimeter hoch ist, kann die Ernte beginnen. "Sie können es klein geschnitten in Salaten oder zusammen mit reifen Früchten püriert als Smoothie genießen. Der frisch grüne Geschmack der Halme lässt sich wunderbar mit allerlei Frucht- und Gemüsesäften kombinieren", rät Marie Marschoun vom Kundendialog des ökologischen Saatgutherstellers. Neben Gerste lassen sich auch Sandhafer, Winterroggen oder auch Buchweizen im Pflanzkasten für einen gesunden Getreidegrassaft anziehen.
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
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