Illegaler Gensoja-Anbau bedroht Maya-Imker in Mexiko
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Mexikanische Delegation sucht Unterstützer in Deutschland - Besuch bei Naturland

07.10.2017 Illegaler Anbau von Gensoja in Mexiko bedroht die Existenz der indigenen Maya-Imker auf der Halbinsel Yukatan. Durch die zunehmende Ausbreitung der Sojafelder gerät unter anderem die Honigproduktion der Mayas in Gefahr. Fast die Hälfe des mexikanischen Export-Honigs geht nach Deutschland, das weltweit an der Spitze des Pro-Kopf-Verbrauchs an Honig liegt. Eine Delegation von Maya-Imkerinnen besuchte am Mittwoch (27.09.) die Naturland Zentrale in Gräfelfing, um von ihrem schwierigen Kampf zu berichten.

Leydy Aracely Pech Martin, Bäuerin und Vertreterin der indigenen Frauenorganisation Muuch Kambal („Zusammen lernen“), und Irma Gómez Gonzàlez, Agraringenieurin und Imkerei-Beraterin, kamen aus Genf, wo sie sie am 25. September vor dem UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte eigentlich ihre Klagen zum Thema Menschrechte und Gentechnik vorbringen wollten. Kurz vor der Verhandlung wurde der Termin dann aber auf nächstes Jahr verschoben, weil die mexikanische Regierung ihre Teilnahme mit Blick auf die Folgen des Erdbebens im Land abgesagt hatte.

Gerichtlicher Stopp des Gensoja-Anbaus wird unterlaufen

Hintergrund der Beschwerde bei der UN ist, dass auf Yukatan weiterhin Gen-Soja angebaut wird, obwohl der Oberste Gerichtshof Mexikos die Genehmigung hierfür in einem Urteil von 2015 eigentlich ausgesetzt hatte. Naturland hatte die Maya-Gemeinden damals zusammen mit Imkervereinigungen, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt in ihrem juristischen Kampf gegen das Gensoja unterstützt.

Doch der Sieg, den die Maya Gemeinden 2015 vor dem Obersten Gerichtshof errungen haben, wird nun offenbar systematisch untergraben. „2016 hat die mexikanische Regierung bei einem Monitoring selbst festgestellt, dass weiterhin Gensoja angebaut wird. Aber es ist nichts passiert“, beklagte Irma Gómez Gonzàlez. Die Behörden unternehmen ihr zufolge keine effektiven Anstrengungen, um dies zu verhindern: „Wir glauben deshalb, dass der illegale Anbau in noch viel größerem Maße stattfindet als offiziell bekannt.“

Bienensterben und Grundwasserverseuchung als Folgen

Die Verseuchung des Grundwassers mit Pestiziden und großflächige illegale Waldrodungen gehören zu den unmittelbaren Begleiterscheinungen des sich immer weiter ausbreitenden Soja-Anbaus – mit katastrophalen Folgen für die einheimische Bevölkerung. Denn die Bienen sterben infolge des Pestizideinsatzes oder finden schlicht keine Nahrung mehr. Dadurch sinkt dann die Honigproduktion, die neben der Landwirtschaft das wichtigste wirtschaftliche Standbein der Maya-Familien bildet.

„Die Bienen-Haltung gehört zu unserer Kultur. Eine Familie hat normalerweise 30 bis 40 Bienenstöcke“, berichtete Leydy Aracely Pech Martin, die mit ihrer Familie etwa zwei Hektar Land bewirtschaftet. „Viele Familien haben nun schon die Hälfte ihrer Bienen verloren, manche sogar alle“, betonte die Imkerin. Das sei verheerend, weil die Familien außerhalb der Anbausaison vor allem von den Einnahmen aus dem Honigverkauf lebten.

Honigexport durch Gentechnik bedroht

Doch genau dieser Honigverkauf wird durch den illegalen Anbau von Gensoja zusätzlich bedroht. „Fast die Hälfte der mexikanischen Honigexporte gehen nach Deutschland. Wenn dieser Honig aber gentechnisch verunreinigt ist, kann er in Deutschland nicht mehr als Öko-Honig vermarktet werden. Und selbst konventioneller Honig wäre hierzulande kaum mehr verkäuflich“, sagte Manfred Fürst, Leiter der internationalen Abteilung bei Naturland.

„Wir dürfen die Maya jetzt nicht allein lassen“, betonte Fürst und sagte den mexikanischen Gästen die weitere Unterstützung des Verbands zu. Nicht zuletzt gebe es auch einige Naturland Imker auf Yukatan, unterstrich Fürst, der zugleich Koordinator des IFOAM Apiculture Forum ist, der weltweiten Vereinigung der Öko-Imker. In dieser Funktion lud er die beiden Mexikanerinnen zum nächsten Weltkongress der Öko-Imker ein, der im Frühjahr 2019 an der Universität Hohenheim stattfinden wird.

Hintergrund

Das Maya-Land auf der Yukatan-Halbinsel ist dünn besiedelt und reich an Wäldern, der natürlichen Trachtquelle der einheimischen Bienen. Laut dem Bericht der Maya-Vertreterinnen für die UN ist die Entwaldungsrate infolge des Soja-Anbaus mittlerweile die höchste in ganz Mexiko. Mit dem Anbau geht ein extremer Pestizideinsatz einher. Die Pestizide schwächen die Bienen und haben schon den Tod tausender Bienenvölker verursacht.

Die Pestizide werden von großen Traktoren oder auch aus der Luft versprüht, ohne Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung. Über sogenannte Schluckbrunnen gelangen sie zudem direkt ins Grundwasser. Hunderte dieser Brunnen wurden illegal gebaut, um die natürlichen Lagunen zu entwässern und neue Anbauflächen zu gewinnen. Im Trinkwasser wurden bereits Glyphosatwerte gemessen, die zum Teil um ein Vielfaches über den maximalen Toleranzwerten in der Europäischen Union liegen.

Die Bienenhaltung ist nicht nur von wirtschaftlicher Bedeutung, sondern auch ein wichtiger Teil der kulturellen Identität der Maya. Die Maya leben vor allem von der Imkerei und ihren kleinen „Milpas“, ausgeklügelten Mais-Bohnen Mischanbausystemen.
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Quellen:
Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.
Bild: © Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V.
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