Heumilch ist gut für Mensch und Kuh
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Saftiges Gras bildet die wesentliche Nahrungsgrundlage für Heumilchkühe

07.09.2016 Heumilch – das klingt nach grasenden Kühen, blühenden Wiesen und duftendem Heu, kurzum nach Natur pur. Dafür dass es nicht beim schönen Schein bleibt, sorgt jetzt das EU-Gütezeichen "garantiert traditionelle Spezialität". Aber Achtung: nicht jede Heumilch ist Bio.

Früher fraßen die Kühe sommers wie winters ausschließlich Gras und sonnengetrocknetes Heu. Doch was früher normal war, gilt heute als Spezialität – und ist selbst auf Biohöfen eher die Ausnahme: Die meisten Biokühe bekommen heute zusätzlich eine Extra-Portion Kraftfutter in Form von Getreide, Lupinen, Erbsen oder Ackerbohnen, im Winter häufig auch Mais- oder Grassilage. Nur so sind die Kühe in der Lage, bis zu 9000 Liter Milch pro Jahr zu erzeugen, erläutert Martin Hermle, Berater beim Bioland e.V.. Ein Kraftfutteranteil von bis zu 40 Prozent ist im Ökolandbau zulässig. Von einer grundfutterbasierten Fütterung oder einer extensiven Haltung sprechen Landwirtinnen und Landwirte, wenn der Kraftfutteranteil nicht mehr als zehn Prozent ausmacht und die Kühe im Sommer hauptsächlich Gräser und Klee und im Winter Heu fressen.

Heu statt Silage

Mit dem Produzieren von Heumilch gehen manche Milchbäuerinnen und -bauern noch einen Schritt weiter: Sie verzichten ganz bewusst auf Silofutter. Die Kühe erhalten das Futter angepasst an den Lauf der Jahreszeiten: Im Frühjahr und Sommer grasen sie in der Regel auf der Weide. Dort fressen sie alles, was die Weide bietet: Wiesenschwingel, Wiesenrispe, Weißklee, Knaulgras, Wiesenfuchsschwanz, Rotklee, Spitzwegerich oder Löwenzahn, um nur einige zu nennen. Im Winter werden die Tiere mit Heu versorgt, teilweise angereichert mit Getreide oder Futterrüben. Futter aus Silage wie vergorenes Gras oder vergorener Mais kommt garantiert nicht in den Trog. Nicht umsonst gilt Heumilch als die ursprünglichste Form der Milchherstellung, denn "so naturnah wird sonst keine Milch hergestellt", heißt es auf den Webseiten der ARGE Heumilch Österreich, einem Zusammenschluss von rund 8.000 österreichischen Heumilch-Bäuerinnen und -Bauern sowie mehr als 60 Molkereien, Käsereien und Sennereien. Da nimmt die Landwirtin oder der Landwirt es gerne in Kauf, dass die Kühe im Schnitt höchstens 6000 Liter Milch erzeugen. Insofern passen Heumilch und Bio gut zusammen.

Bioheumilch – weit mehr als Silageverzicht

Grundsätzlich gilt: Biomilch darf nicht automatisch mit dem Prädikat "Heumilch" werben – umgekehrt ist nicht jede Heumilch Bio. Zum einen müssen bei konventioneller Heumilch die Futtermittel nicht aus biologischem Anbau stammen! Und auch Vorschriften für die Tierhaltung gibt es keine. So ist der Auslauf der Tiere im Sommer zwar wahrscheinlich, aber im Winter nicht wie im ökologischen Landbau zwingend vorgeschrieben.

Wertvolle Inhaltstoffe

Je größer der Artenreichtum der Wiesen, umso ausgeprägter ist der Heumilchgeschmack. Doch Heumilch schmeckt nicht nur besser. Wer regelmäßig Heumilch oder Biomilch trinkt, kann auch für seine Gesundheit etwas Gutes tun: Heumilch und Biomilch aus extensiver Weidehaltung enthalten Studien zufolge nahezu doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäuren (CLA) wie herkömmliche Milchprodukte.

Dazu muss man wissen: Diese lebensnotwendigen Fettsäuren kann unser Körper nicht selbst produzieren. Insofern passen Heumilch- und Biomilchprodukte ideal zu einer ausgewogenen Ernährung.

Wird auf das gängige Futtermittel Silage verzichtet, spiegelt sich das auch in den guten Käsereieigenschaften der Heumilch wieder: Um Emmentaler, Bergkäse oder Parmesan zu produzieren, ist Heumilch ideal, ja geradezu unerlässlich. Der Grund: "Nur silofreie Milch gewährleistet, dass der Herstellungsprozess von länger gereiften Käsesorten nicht durch Clostridiensporen beeinträchtigt wird", erläutert Marc Albrecht-Seidel, Geschäftsführer des Verbandes für handwerkliche Milchverarbeitung (VHM). Diese Sporen können beim Silieren von Gras ins Futter und somit auch in die Milch gelangen.

Verbindliche Standards für Futter

Mittlerweile können sich Verbraucherinnen und Verbraucher darauf verlassen: Nur wo "Heumilch" drauf steht, ist auch Heumilch drin. Denn auf Initiative der ARGE Heumilch Österreich schließt das EU-Gütezeichen "garantiert traditionelle Spezialität" (g. t. S.) nun auch Heumilch-Produkte ein. Seit März 2016 ist die Bezeichnung "Heumilch" gesetzlich geschützt. Im Detail regelt das "Heumilchregulativ", was das Besondere von Heumilch ausmacht und welche Futterkomponenten zulässig sind: Entscheidend ist eine silofreie und gentechnikfreie Fütterung. Mindestens 75 Prozent des täglichen Bedarfs der Kühe ist durch so genanntes Raufutter zu decken. Darunter verstehen Landwirtinnen und Landwirte Futtermittel, die besonders viel Cellulose einhalten. Das sind im Sommer frische Gräser und Kräuter, die bei Bedarf mit Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Ackerbohnen ergänzt werden. Im Winter gibt es vor allem Heu. Weiterhin dürfen Grünraps, Grünmais, Grünroggen und Futterrüben sowie Heu-, Luzerne- und Maispellets auf dem Speiseplan stehen.

Etwas Getreide geht

In ganz kleinen Mengen sind zusätzliche Futtermittel wie Getreidemischungen erlaubt. Eindeutig verboten sind Silage, Feuchtheu oder gegorenes Heu, ebenso Nebenprodukte von Brauereien, Mostereien und Brennereien und gentechnisch veränderte Produkte. Ebenfalls dürfen die Heumilchproduzenten keine Futtermittel tierischen Ursprungs einsetzen, abgesehen von Milch und Molke für Jungvieh. Auch für die Düngung und den Pflanzenschutz gibt es spezielle Regelungen. Wer seine Milch als "Heumilch" ausloben will, ist verpflichtet, all diese Standards einzuhalten. Sie gelten EU-weit – mit einer Übergangsfrist bis zum 22. März 2018 – für alle Produkte mit der Bezeichnung "Heumilch".
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
Foto: BLE, Thomas Stephan
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