Ganz selten: Daunen von der Biogans
Coss-Moss Bereich Wohnen & Leben Top Beitrag

Im Winter halten uns kuschelige Daunendecken und Jacken schön warm. Tierfreundinnen und Tierfreunde sollten sich über die Herkunft ihrer Daunen genau informieren. Leider sind Biodaunen noch ein rares Gut.

02.12.2016 Ein Daunenbett sorgt für einen geborgenen Schlaf, ist aber ein Albtraum fürs Federvieh. Denn noch immer werden vielen Gänsen außerhalb Deutschlands ihr wärmendes Untergefieder bei lebendigem Leib ausgerupft. Zwar ist Lebendrupf in der Europäischen Union verboten, doch lassen die EU-Richtlinien ein Schlupfloch: das Abstreichen der Daunen während der Mauser. Während dieser Zeit ist die Prozedur für die Gänse weitgehend schmerzfrei. "Der traditionelle Mauserrauf ist in der Praxis aber kaum zu realisieren", weiß die Tierschutzorganisation ProVieh. Zum einen sind niemals alle Tiere in großen Herden von 1000 und mehr Gänsen zur gleichen Zeit in der Mauser. Die Rupfbrigaden kommen jedoch nur einmal und bearbeiten dann gleich sämtliche Tiere. Zum anderen ist das Rupfen mit durchschnittlich 150 Gramm Daunen pro Gans viel ergiebiger als der Mauserrauf mit 60 Gramm. "In ihrem Leben wird eine Gans drei bis vier Mal gerupft. Die Gänse empfinden dabei erhebliche Schmerzen, hinzu kommen Schmerz und Stress durch das Festhalten und Festklemmen zwischen den Beinen", beklagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund.

Daunen aus Osteuropa und China

Bisher stammen die meisten unserer Daunen aus Osteuropa. "Der Daunenmarkt hat sich jedoch etwas in Richtung China verschoben, da dort kaum bis keine Tierrechte vorhanden sind. Man kann davon ausgehen, dass in China der Lebendrupf extrem betrieben wird und Daunen aus China meist aus Qualhaltung stammen", erklärt Stefanie Pöpken, Fachreferentin von ProVieh. Auch die niedrigen Fleischpreise unserer Martins- und Weihnachtsgänse sollten uns nachdenklich stimmen: "Der Endverbraucher muss sich im Klaren sein, dass es nicht möglich ist, artgerechtes Gänsefleisch für drei Euro pro Kilogramm zu produzieren. Ich kann mir vorstellen, dass manche osteuropäischen Betriebe durch Lebendrupf die geringe Gewinnspanne, die beim Fleisch zu erlösen ist, erhöhen. Unsere konventionellen Freilandgänse kosten gefroren neun Euro und unsere Biogänse zwölf Euro pro Kilogramm", erklärt Mirko Pabel von Dithmarscher Geflügel GmbH.

Biodaunendecken aus Deutschland

Der schleswig-holsteinische Geflügelvermarkter lässt auf unterschiedlichen Höfen 200.000 Gänse aufziehen, knapp zehn Prozent davon sind Bio. Sowohl das Fleisch als auch die Daunen werden vermarktet. Als Lieferant für Biofleisch und -daunen dient die Dithmarscher Gans, eine robuste alte und lokale Rasse. Anders als Hühner legen Muttergänse nur zwischen Ende März bis August Eier und nicht das ganze Jahr über. Die Bioeintagsküken werden von einem polnischen Biobetrieb nahe der deutschen Grenze aufgezogen. "Bisher haben wir in Deutschland keinen Biobetrieb gefunden, der für uns ausreichend Gänse aufziehen will", bedauert Vertriebsleiter Mirko Pabel. Da aber der Schlachtbetrieb in Brandenburg sitzt, bleiben die Transportwege kurz. Als Futter bekommen die jungen Küken Gras und Biogetreide. Gras und frische Kräuter finden sie selbst auf der Weide. Nach mindestens zwanzig Wochen ist die Biogans sechs Kilogramm schwer und damit schlachtreif.

Von der Biodaune zur Biodecke

Im Schlachtbetrieb entfernen Rupfmaschinen die meisten Federn. Die Feinarbeit übernehmen dann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Art Epilierer. Danach kommen die Federn und Daunen in die Wäscherei. Dort werden sie gereinigt und entfettet. In der Bioverarbeitung sind nur umweltverträgliche Mittel zugelassen, um die Federn aufzubereiten. Chlorhaltige Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie chemisch-synthetische Hilfsstoffe, um die Federn weißer zu machen, sind tabu. Wichtig ist zudem, dass die Biodaunen getrennt von konventionellen Daunen verarbeitet und gelagert werden. Schließlich soll es keine Verwechselungen geben. Außerdem dürfen sie nicht begast werden. Das machen viele Unternehmen, um die Gänsefedern von Keimen zu befreien. Nach dem Waschen und Trocknen landen die Daunen in Hüllen aus Biobaumwolle (Inletts). Fertig ist die Biodaunendecke, die allerdings noch eine Rarität ist.

Den Daunen auf die Spur kommen

Bis das Angebot an Biodaunen wächst, sollten sich tierfreundliche Verbraucherinnen und Verbraucher genau über die Herkunft ihrer wärmenden Federn informieren. Zum Beispiel vergibt der Verband der Deutschen Daunen- und Federindustrie (vdfi) das Gütesiegel "Traumpass" für Bettwaren. Das garantiert, dass sich nur Daunen toter Tiere in der Decke befinden. "Allerdings beginnt die Rückverfolgbarkeit bisher erst im Schlachthof. Ob ein Zuchttier also früher einmal gerupft wurde, ist so nicht auszuschließen", bedauert Lea Schmitz. Die Tierschützerin rät bei jedem Daunenkauf genau nachzufragen, selbst wenn das Verkaufspersonal oft keine Antwort parat hat: "Nur so können wir erreichen, dass sich die Bettenindustrie dieses Tierschutzproblems bewusst wird und nach Alternativen Ausschau hält."

Jacken mit geprüfter Daunenherkunft

Mittlerweile haben einige Hersteller von Outdoorbekleidung ihre eigenen Gütesiegel entwickelt. Hierbei prüft eine externe unabhängige Zertifizierungsstelle, woher die Daunen stammen. Zum Beispiel bietet das us-amerikanische Unternehmen Patagonia für seine Daunen einen Herkunftsnachweis bis zum Elterntierbetrieb der Tiere. Lebendrupf und Daunen von Tieren aus der Stopfleberproduktion kommen garantiert nicht in die Jacke. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat eine Cruelty-free-Down-Challenge ins Leben gerufen. Bei diesem Wettstreit um die am "saubersten" produzierten Daunen geht es ebenfalls um die Rückverfolgbarkeit der Daunen und die Kontrollen von einzelnen Gänsen- und Entenfarmen. Auf dem 1. Platz des Siegertreppchens steht aktuell das schwedische Unternehmen Fjällräven. Ob die Tiere nach Biorichtlinien heranwachsen, spielt dabei jedoch bisher keine Rolle. Wer auf Nummer Biosicher gehen will, muss auf Wollprodukte vom Biotier oder auf pflanzliche Alternativen zurückgreifen.
WERBUNG
Verwandte Produkte zu dieser Meldung
Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
zurück zur Übersicht
Das könnte dich auch interessieren
  • Was essen wir da eigentlich? Abbildung

    Was essen wir da eigentlich?

  • Von strikt bis egal Abbildung

    Von strikt bis egal

  • Die Königin der Nüsse Abbildung

    Die Königin der Nüsse

  • Weihnachtsbäckerei wird 2017 teurer Abbildung

    Weihnachtsbäckerei wird 2017 teurer

  • Neue Internet-Plattform von Bund und Ländern Abbildung

    Neue Internet-Plattform von Bund und Ländern

  • Gesundes Kraftpaket Abbildung

    Gesundes Kraftpaket

  • Verbraucher greifen verstärkt zu Abbildung

    Verbraucher greifen verstärkt zu

  • Das wärmt Bauch und Seele Abbildung

    Das wärmt Bauch und Seele