Food Trend Vegan und Vegetarisch: Kennzeichnungspraxis
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Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten, pflanzlichen Lebensmitteln wächst, dennoch ist es für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht immer ganz einfach, vegetarische beziehungsweise vegane Lebensmittel auf den ersten Blick zu erkennen.

21.10.2017 Vegetarische und vegane Ernährung boomt. In Deutschland leben laut dem Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU e.V.) fast acht Millionen Menschen vegetarisch und circa 1,3 Millionen vegan. Das sind etwa elf Prozent der Bevölkerung. Die Zahlen steigen dabei stetig an. Noch im Jahr 2008 ernährten sich laut Nationaler Verzehrsstudie II circa 80.000 Menschen vegan. Die Zahl der Vegetarier hat sich in den letzten 20 Jahren sogar mehr als verzehnfacht, 1983 ernährten sich laut dem Marktforschungsinstitut GfK nur 0,6 Prozent aller Deutschen vegetarisch.

Kennzeichnung bisher eher undurchsichtig

Obwohl die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Lebensmitteln groß ist, ist es für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht immer ganz einfach, vegetarische beziehungsweise vegane Lebensmittel auf den ersten Blick zu erkennen. Die Zutatenliste gibt nur bedingt Aufschluss, da nur die rechtlich zu den Zutaten gehörenden Substanzen aufgeführt werden. Verarbeitungshilfsstoffe oder Enzyme müssen in der Zutatenliste nicht aufgeführt werden. Vegetarisch oder Vegan bedeutet jedoch nicht nur, dass im Endprodukt keine tierischen Bestandteile enthalten sind, sondern auch, dass bei der Verarbeitung keine tierischen Hilfsmittel eingesetzt wurden. So werden zum Beispiel Säfte teilweise durch Gelatine geklärt. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher ist eine eindeutige Kennzeichnung, ob es sich um ein vegetarisches oder veganes Produkt handelt daher besonders wichtig.

Herausforderung Definition

Unternehmen, die solche Produkte anbieten möchten, stehen dabei jedoch vor einer gewissen Herausforderung: Innerhalb der Europäischen Union (EU) gibt es bisher keine einheitliche gesetzliche Regelung zur Verwendung des Begriffes "vegan" oder "vegetarisch". Dadurch entsteht die Situation, dass es auf dem Markt viele verschiedene Kennzeichnungen für solche Lebensmittel gibt. Die Kennzeichnung der Produkte durch den Zusatz, "vegan", "pflanzlich", "vegetarisch", oder "veggie" sind üblich. Die Deutsche Lebensmittelbuchkommission (DLMBK) beschäftigt sich seit Oktober 2016 in einem Fachausschuss damit, Leitsätze für vegane und vegetarische Produkte zu erarbeiten, bei denen auch die Kennzeichnung der Erzeugnisse berücksichtigt wird. Die Verabschiedung und darauf folgende Veröffentlichung der Leitsätze durch die DLMBK ist bis Ende 2017 geplant.

Lediglich bei veganen Milchersatzprodukten hat der Europäische Gerichtshof (EuGh) in einem Urteil am 14.06.2017 entschieden, dass die Bezeichnung "Milch" abgesehen von wenigen Ausnahmen Produkten vorbehalten ist, die aus der "normalen Eutersekretion" von Tieren gewonnen werden und dies gelte auch für die Nutzung der Begriffe "Rahm", "Sahne", "Butter", "Käse" oder "Joghurt". Somit sind Bezeichnungen wie "Tofubutter" oder "Veggie-Käse" für rein pflanzliche Produkte unzulässig.

Herstellerunabhängige Gütesiegel schaffen Abhilfe

Da es bisher kaum Vorgaben zur Kennzeichnung von veganen und vegetarischen Produkten gibt, haben sich verschiedene Kennzeichnungspraktiken etabliert. So gibt es zum Beispiel herstellereigene Kennzeichnungen, sowie herstellerunabhängige Siegel, welche von unabhängigen Instituten vergeben werden.

Durch herstellerunabhängige Siegel haben verarbeitenden Unternehmen die Möglichkeit Ihrer Kundschaft anhand vorgegebener Richtlinien der Siegel-Anbieter zu zeigen, wie "vegan" oder "vegetarisch" für das jeweilige Produkt definiert wird. Dies schafft sowohl für den Verarbeiter, als auch Verbraucherinnen und Verbraucher Abhilfe in der intransparenten Kennzeichnung veganer und vegetarischer Produkte.

Am Markt etabliert und für Biolebensmittel geeignet sind dabei insbesondere folgende drei Siegel:

EcoVeg – ein Siegel nur für vegane Bioprodukte
Das EcoVeg Gütesiegel steht für "Eco" = bio und "Veg"= pflanzlich und soll in der Regel in direkter Nachbarschaft zum EU-Bio-Logo auf der Verpackung von pflanzlichen Lebensmitteln aufgebracht werden. Es definiert unklare Begrifflichkeiten und sorgt durch unabhängige Kontrollen für Rechtssicherheit und Verbraucherschutz. Das EcoVeg Siegel ist nur auf Bioprodukten zulässig.

V-Label der Europäischen Vegetarier Union
Das V-Label ist eine international geschützte Marke der Europäischen Vegetarier Union zur Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln und in Europa weit verbreitet. In Deutschland wird das Zeichen ausschließlich vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) e.V. vergeben. Es gibt vier Stufen des Labels: vegan, ovo-, lakto- und ovolaktovegetarisch. Die Stufe steht unter dem V-Label. Es ist sowohl für Bio-, als auch für konventionelle Produkte einsetzbar.

Veganblume der britischen Vegan Society
Die Veganblume wird von der Vegan Society in England vergeben. Diese wurde 1944 von Donald Watson gegründet, welcher als der Begründer des Wortes "vegan" gilt. Seit 1990 zeichnet die Veganblume (im Englischen "Vegan Trademark") Lebensmittel und Kosmetikartikel aus, um der veganen Kundschaft die Produktauswahl zu erleichtern. Im deutschsprachigen Raum ist die Vegane Gesellschaft Österreich der zuständige Ansprechpartner. Die Veganblume ist genau wie das V-Label für Bio- und für konventionelle Produkte einsetzbar.
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
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