Was heißt hier eigentlich „fair gehandelt“?

Handel - fair und ökologisch

Fair Trade ist zwar den meisten Verbrauchern mittlerweile ein Begriff.

Dass es beim Prinzip des fairen Handel[n]s allerdings um weit mehr als bunte Gütesiegel für fair gehandelten Kaffee geht, ist weit weniger bekannt.

Grund genug für uns, das Thema „Fair Trade“ einmal deutlich genauer zu beleuchten.

Am Anfang war… kein Kaffee

Ihre Anfänge hatte die Fair Trade-Bewegung erst Mitte des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von Amerika. Zunächst drehte sich dabei alles um Stick- und Handarbeitswaren armer Näherinnen aus Südamerika, deren Erzeugnisse in den reichen USA zu deutlich besseren Preisen verkauft wurden. Erst deutlich später verlagerte sich der Fokus der fair gehandelten Waren auf landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Zucker und Reis aus der gesamten dritten Welt.

Dabei wurden fair gehandelte Produkte zunächst fast ausschließlich in speziellen Fachgeschäften wie den sogenannten Weltläden angeboten. Erst ab Mitte der 1990er Jahre schafften sie es auch zunehmend in die Regale des klassischen Einzelhandels. Heute gehören Fair Trade-Produkte sogar in vielen Supermärkten zum festen Sortiment.

Kein Wunder, boomt die Nachfrage nach fair gehandelten Waren, Gütern und Dienstleistungen doch seit Jahren unaufhörlich. Und das, trotz des meist deutlich höheren Grundpreises.

Das Prinzip hinter dem fairen Handel

Dass Fair Trade-Produkte meist deutlich teurer sind als der übliche Marktdurchschnitt, hat einen guten Grund. Denn mit dem nicht verhandelbaren fairen Preis stellen die Fair Trade-Organisationen überall auf der Welt sicher, dass auch bei den ansonsten häufig benachteiligten, oft bitterarmen Produzenten der Güter ein gerechter Anteil des Verkaufserlöses ankommt.

Mehr noch: Der Fair Trade-Preis garantiert den erzeugenden Kleinbauern, Plantagenarbeitern und Hilfskräften in der Dritten Welt ein geregeltes Einkommen in ausreichender Höhe – und das unabhängig von den zum Teil drastischen Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.

Daneben zählen zu den allgemein anerkannten (jedoch nicht gesetzlich geregelten) Grundsätzen des fairen Handels:

• Das Schaffen von sozialverträglichen, sicheren und nicht gesundheitsgefährdenden
   Arbeitsbedingungen
• Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen
• Ausmerzen von Kinderarbeit, Ausbeutung und Sklaverei
• Sicherung der Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit
• Hilfe zur Selbsthilfe
• Umweltschutz

Fairer Handel und Umweltschutz: Passt das zusammen?

So toll die Idee des fairen Handels sein mag, wird immer wieder auch Kritik am Fair Trade-Konzept laut – und das nicht ganz ohne Grund. Denn beim fairen Handel geht es zuallererst um die Verbesserung sozialer Rahmenbedingungen, vornehmlich in Ländern der Dritten Welt. Dass ökologische Interessen dabei gerade in der Vergangenheit manchmal erst an zweiter Stelle standen, liegt auf der Hand.

Aus diesem Grund haben viele Fair Trade-Organisationen überall auf der Welt damit begonnen, die Umstellung auf biologische Anbaumethoden, nachhaltige Landwirtschaft und umweltverträgliche Produktionsweisen mit zusätzlichen Prämien zu fördern.

Vor- und Nachteile von Fair Trade-Produkten

Vorteile

  • • mehr Einkommen für 3. Welt-Produzenten

    • hilft dabei, Armut in der 3. Welt zu bekämpfen

    • verbessert die Lebensbedingungen von
       Millionen Kleinbauern und Landarbeitern

Nachteile

  • • verhältnismäßig teuer

    • weniger Auswahl

    • nicht immer auch „bio“










Fair Trade vor der eigenen Haustür?

Lag der Fokus des fairen Handel[n]s in den vergangenen Jahrzehnten ausschließlich auf der Verbesserung der Lebens-, Arbeits- und Produktionsbedingungen in den Ländern der Dritten Welt, rückt seit einigen Jahren auch der Umgang mit regionalen Anbietern und Produzenten in den Mittelpunkt des Interesses. Denn auch in Europa steht nicht immer alles zum Besten – gerade in der Landwirtschaft.

Unser Tipp: Auch regionale Produkte, Waren, Güter und Dienstleistungen sollten nachhaltig hergestellt, fair gehandelt und deren Produktion gerecht entlohnt werden. Wer daher auf die folgenden Gütesiegel für regional und fair produzierte Produkte im Handel achtet, unterstützt Fair Trade auch vor der eigenen Haustür:

Naturland Fair, Bestes Bio - Fair für alle, Biokreis regional & fair, CSE Certified Sustainable Economics

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Wusstest Du, dass...
  • …die Fair Trade-Bewegung erst in den 1940er Jahren entstanden ist?
  • …es weitere vertrauenswürdige Gütesiegel neben dem bekannten „FairTrade“-Zertifikat gibt?
  • …es bei Fair Trade anfangs gar nicht um Kaffee ging?
  • …sich die Ausgaben deutscher Verbraucher für fair gehandelte Produkte zwischen 2009 und 2012 auf knapp 650 Mio. Euro nahezu verdoppelt haben?
  • …es bereits Mitte der 1980er Jahre über 400 „Weltläden“ in Deutschland gab?

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