Deutsche Herkunft von Bioprodukten deutlicher kennzeichnen
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Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben eine Präferenz für regionale und/oder deutsche Bioware:

15.08.2017 Viele wissenschaftliche Studien und Beobachtungen des tatsächlichen Marktgeschehens belegen, dass ein bedeutender Teil der Verbraucherinnen und Verbraucher eine Präferenz für regionale und oder deutsche Bioware haben. Gleichzeitig ist das Wissen vieler Verbraucherinnen und Verbraucher über die Herkunft der (Bio-)Lebensmittel oft gering. Während bei frischem Obst und Gemüse sowie bei Eiern über den Stempel eine Herkunftsangabe verpflichtend ist, wird die Herkunft der Inhaltsstoffe bei verarbeiteten (Bio-)Lebensmitteln in der Regel nicht ausgewiesen. Da Verbraucherinnen und Verbrauchern die Herkunft der Inhaltsstoffe meist unbekannt ist, können sie ihre Präferenzen für deutsche Inhaltsstoffe nicht durch ein entsprechendes Nachfrageverhalten äußern.

Laut der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sind alle Biolebensmittel mit einer Herkunftsangabe der Inhaltsstoffe zu kennzeichnen. Ein Produkt kann jedoch nur dann mit einer nationalen Kennzeichnung versehen werden, wenn 98 Prozent der Rohstoffe aus dem jeweiligen Land kommen. Verarbeitete Produkte erfüllen dieses Kriterium nur selten, so dass die meisten Verarbeitungsprodukte mit "EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" gekennzeichnet sind. So kann beispielsweise eine Wurst mit 100 Prozent Fleischanteil aus Deutschland nicht mit "DE-Landwirtschaft" gekennzeichnet werden, da der Anteil an Gewürzen in der Regel größer als zwei Prozent ist. Deutlich großzügiger sind die regionalen Bio-Logos in Deutschland. "Bio-Siegel – HESSEN", ein Biosiegel, dass der Kundschaft zeigt aus welcher Region das ökologisch erzeugte Produkt stammt, verlangt, dass mindestens 90 Prozent der Hauptzutat aus Hessen stammen. Beim "Bio-Zeichen Baden-Württemberg" müssen die wertgebenden Bestandteile zu 100 Prozent aus Baden-Württemberg stammen. Lediglich das Bayerische Biosiegel verlangt eine 100 Prozentige Herkunft und Verarbeitung innerhalb des ausgewiesenen Gebietes. Die Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau bezüglich der Herkunft der Rohstoffe liegen somit deutlich über denen anderer (auch konventioneller) Herkunftskennzeichnungen, wie zum Beispiel "Gutes aus Hessen" oder "geprüfte Qualität Bayern" bei denen die Hauptzutaten aus dem jeweiligen Bundesland stammen müssen. Auch die EU-Verordnung (EC) 510/2006 über den Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen lässt einen größeren Spielraum: Bei Protected Geographical Indication (PGI) Produkten muss entweder die Erzeugung und / oder die Verarbeitung in der definierten geografischen Region stattfinden.

Welche Möglichkeiten einer verbesserten Herkunftskennzeichnung bei Ökolebensmitteln gibt es?

Die Anforderungen der EU-Rechtvorschriften für den ökologischen Landbau an den Anteil der Herkunft aller Inhaltsstoffe aus einem Land könnten verringert werden, so dass statt 98 Prozent nur noch 90 oder 95 Prozent der Inhaltsstoffe aus dem jeweiligen Land stammen müssten. Dies würde eine Annäherung an bestehende EU-Regelungen zur Herkunftskennzeichnungen bedeuten.

Deutlich stärkere Nutzung des Regionalfensters: Das Regionalfenster wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) entwickelt und wird in im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verwendet. Es ist ausdrücklich kein Logo, sondern ein Indikationsfenster, das Herkunftsangaben bereitstellt, so dass Verbraucherinnen und Verbraucher selbst entscheiden können, ob das Produkt ihren Ansprüchen an ein regionales Produkt genügt. Das Fenster ist zwar weitgehend selbsterklärend, dennoch birgt es Potential für Missverständnisse. Außerdem muss es wie jede Kennzeichnung, die eine Bedeutung im Markt erlangen soll, an die Verbraucherinnen und Verbraucher kommuniziert werden. Das ist für das Regionalfenster bislang nicht erfolgt, ist aber dringend geboten, wenn Verbraucherinnen und Verbrauchern die Identifikation der Produktherkunft erleichtert werden soll.

Anpassung der Vergaberichtlinien des deutschen Biosiegels: Seit 2010 ist das EU-Bio-Logo für alle verpackten Biolebensmittel verpflichtend. Der Inhalt dieser EU-Kennzeichnung ist identisch mit dem Inhalt des "Deutschen Bio-Siegels", so dass mit zunehmender Bekanntheit des EU-Logos das deutsche Biosiegel an Bedeutung verlieren wird. Das "Deutsche Bio-Siegel" ist aber gut in den Markt eingeführt und hat eine große Bekanntheit. Deshalb wäre es zu bedauern, wenn dieses Siegel einfach wieder vom Markt verschwinden würde. Stattdessen könnte es inhaltlich angepasst und nur noch für deutsche Produkte vergeben werden. Das kann das gesamte Produkt betreffen oder die wertgebenden Inhaltsstoffe zu einem definierten Prozentsatz. Eine solche nationale Kennzeichnung ist möglich, wenn die Standards über denen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau liegen. Dies könnten zum Beispiel die Standards der Bioanbauverbände sein. Ein Beispiel ist das "Bayerische Bio-Siegel", für das höhere Qualitätskriterien definiert werden. Darüber hinaus könnte auch schon heute das "Bayerische Bio-Siegel" mit anderen Herkunftsnachweisen als der bayerischen genutzt werden.

Regionale Lebensmittel und Biolebensmittel sprechen ähnliche Verbrauchergruppen an und stehen deshalb in Konkurrenz zueinander. Während das konventionelle Produkt ein Regionalsiegel trägt, steht auf dem Bioprodukt, dessen Inhaltsstoffe aus denselben Ländern beziehungsweise Regionen stammen der Herkunftshinweis EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft. Verbraucherinnen und Verbraucher, denen Regionalität besonders wichtig ist, werden sich in dieser Situation für das regionale und gegen das Bioprodukt entscheiden. Daher wäre es wichtig, auch bei Biolebensmitteln die deutsche oder regionale Herkunft deutlich zu kennzeichnen.
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
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