Boden retten für den Ökolandbau
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Initiativen wie BioBoden, Regionalwert oder Kulturland haben es sich zur Aufgabe gemacht, landwirtschaftliche Flächen für den Bioanbau zu retten.

15.01.2017 Boden ist in den vergangenen Jahren extrem teuer geworden. Der Kaufpreis für Ackerland ist zwischen 2007 und 2015 im Schnitt um 113 Prozent gestiegen. Eine Ursache für diesen rapiden Preisanstieg ist die zunehmende Flächenversiegelung. Sie führt dazu, dass der Wettkampf um die verbleibenden fruchtbaren Böden immer größer wird. Mitschuld an der Preistreiberei hat aber auch die einseitige Biogasförderung der letzten Jahre, die es Biogaserzeugern ermöglicht, Bodenpreise zu bezahlen, bei denen die meisten Landwirtschaftsbetriebe nicht mehr mithalten können. Hinzu kommt, dass sich wegen der anhaltenden Niedrigzinspolitik immer mehr außerlandwirtschaftliche Investoren auf die Suche nach gewinnbringenden Geldanlagen machen und dabei den Boden für sich entdecken.

Mehr Ökofläche: gerade jetzt wichtig

Ökobetriebe oder solche, die es werden wollen, sind von den hohen Bodenpreisen besonders hart betroffen. Denn sie müssen die erworbenen oder gepachteten (meist konventionellen) Flächen erst noch zwei Jahre umstellen. Das heißt, die entstandenen Mehrkosten können erst später gedeckt werden. Viele Landwirtinnen und Landwirte hält dies davon ab, mehr Fläche ökologisch zu bewirtschaften oder den Betrieb umzustellen. Etliche Betriebe mussten sogar schon wieder rückumstellen oder aufgeben, weil sie nicht mehr wachsen konnten oder sich ihre Bodenfläche reduzierte. Dabei wäre eine Zunahme der heimischen Bioanbaufläche gerade jetzt so dringend nötig. Denn die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln nimmt immer mehr zu, kann aber schon lange nicht mehr durch heimische Produktion gedeckt werden.

Die Bodenretter

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Initiativen gegründet, um wieder Boden für den Ökolandbau gut zu machen. Sie heißen BioBoden, Kulturland oder Regionalwert AG und funktionieren alle in etwa nach dem gleichen Prinzip: Sie kaufen mit dem Geld privater Anleger Boden auf und verpachten diesen an Landwirtinnen und Landwirte, die ihn biologisch bewirtschaften.

Die jüngste Initiative in diesem Bereich ist die BioBoden Genossenschaft. Bei der BioBoden können Menschen bereits ab einem Einlagebetrag von 1.000 Euro Anteile zeichnen und als Genossenschaftsmitglied Gutes tun. Und das sind bereits erstaunlich viele: die BioBoden zählt aktuell 2.500 Mitglieder. Die im April 2015 gegründete Genossenschaft ist sehr schnell gewachsen, nicht zuletzt dank der sozial-ethischen GLS-Bank im Rücken und den vielen Unterstützern aus der Naturkostbranche. Die BioBoden kauft mit dem Geld ihrer Mitglieder Flächen auf und verpachtet diese an Landwirtinnen und Landwirte, mit der Auflage, diese nach den Grundsätzen eines der ökologischen Anbauverbände Demeter, Bioland oder Naturland zu bewirtschaften. Die BioBoden betreibt aber auch eigene Höfe.

Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet auch die Kulturland Genossenschaft. Hier kann man schon mit einem Betrag von 500 Euro Mitglied werden. Im Unterschied zur BioBoden legen die Akteurinnen und Akteure von Kulturland mehr Wert auf die regionale Vernetzung von Mitgliedern und Betrieben. So sieht das Kulturlandkonzept vor, dass die Biobetriebe in ihrem direkten Umfeld Unterstützer werben, die dann als Genossenschaftsmitglied den Kauf der Fläche finanzieren.

Regional vernetzt arbeitet auch die Regionalwert AG. Die in Freiburg gegründete Initiative ist die erste ihrer Art in Deutschland. Die Aktiengesellschaft kauft nicht nur Flächen und Höfe und verpachtet diese, sie fördert auch zahlreiche andere Projekte entlang der Wertschöpfungskette wie Bioläden, Ökoverarbeiter oder Biocaterer.

Die Idee funktioniert

Ein Blick in die Geschäftsberichte verrät: Das Konzept der Initiativen geht auf. BioBoden konnte bereits 13 Millionen Euro zusammentragen und damit 2.000 Hektar Land für die ökologische Landwirtschaft sichern. Die kleinere Kulturland Genossenschaft hat bislang 50 Hektar Land aufgekauft und an Ökobetriebe verpachtet. Dank der Regionalwert AG konnten rund um Freiburg mehr als 20 ökologisch wirtschaftende Unternehmen erhalten oder neu gegründet werden. Das Konzept der Regionalwert AG ist so erfolgreich, dass sich inzwischen auch in anderen Teilen Deutschlands Regionalwert AGs gegründet haben.

Rendite: Fehlanzeige

Das Interesse an dieser neuen Form der Geldanlage ist groß, was erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass seitens der Anleger kaum mit einer Rendite zu rechnen ist – zumindest, wenn man in finanziellen Kategorien denkt. Aber das tun die Menschen, die ihr Geld dort anlegen nicht. Sie wissen, dass ihr Geld auf der Bank sowieso kaum Zinsen einbringen würde, und so ist ihnen ein Gewinn in Form von gesunden und fruchtbaren Böden, regionaler Wertschöpfung und einer vielfältigen Kulturlandschaft viel wichtiger. Und das bekommen sie bei BioBoden, Regionalwert oder Kulturland garantiert. Jede Anlegerin und jeder Anleger hat zudem ein Mitspracherecht, was mit dem Geld der Gemeinschaft passieren soll. Und wer noch mehr möchte: Kein Problem, aktives Mitgestalten ist ausdrücklich erwünscht.

Häufig die letzte Rettung

Für einige Ökobetriebe ist das Geld der Genossenschaften oder Aktiengesellschaften die letzte Rettung. So zum Beispiel dann, wenn langjährig gepachtete Flächen plötzlich zum Kauf frei werden, die hohen Kaufpreise dafür aber nicht gezahlt werden können. Diese Betriebe müssten aufgeben, wenn nicht eine der Initiativen ihnen unter die Arme greift. Und auch für Betriebe ohne Hofnachfolger bieten Kulturland & Co. eine Perspektive: Die Initiativen kaufen den ganzen Hof auf und verpachten diesen an gut ausgebildete Ökolandwirtinnen und -landwirte, die keinen eigenen Grund und Boden haben. Auf diese Weise profitieren auch landwirtschaftliche Quereinsteiger.

Neben den vorgestellten großen Initiativen, gibt es noch zahlreiche kleinere in Deutschland. Ökobetriebe, die Bedarf an einer Unterstützung haben, können sich direkt an eine der Initiativen wenden. Ebenso alle interessierten Menschen, die auf der Suche nach einer nachhaltigen Anlagemöglichkeit sind.
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
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