Biotrend in dänischen Küchen
Coss-Moss Bereich Essen & Trinken Top Beitrag

Von unserem nördlichen Nachbarland Dänemark können wir einiges lernen: Ein staatlicher Aktionsplan zum ökologischen Landbau bringt Schwung in den dänischen Biosektor

26.09.2016 Davon profitiert auch die Gemeinschaftsverpflegung. Über 1700 Küchen nutzen inzwischen das Bio-Cuisine Logo zur Auslobung des Bioanteils in Speisen.

Dänemark will eine weltweite Führungsrolle im ökologischen Landbau übernehmen und den Anteil der biologisch bewirtschafteten Flächen von derzeitig rund 8 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 steigern. Dazu hatte die Vorgängerregierung bereits 2015 einen umfangreichen ökologischen Aktionsplan ("Okologiplan") beschlossen, der auch von der neuen konservativ-liberalen Regierung umgesetzt wird. Das mit Fördergeldern in Höhe von rund 53,6 Millionen Euro ausgestattete Programm kommt bei den Erzeugerinnen und Erzeugern an: Im laufenden Jahr haben sich bis Mitte Juni bereits mehr als 1000 Landwirtinnen und Landwirte um Unterstützung für den Ausbau des ökologischen Landbaus beworben. Mit dem politischen Impuls soll zudem den Einsatz von Bioprodukten in der AHV gefördert werden.

Küchen setzen verstärkt Bioprodukte ein

So hat sich das Verteidigungsministerium dazu verpflichtet und bereits damit begonnen, den Anteil von Biogerichten in seinen Kantinen deutlich zu erhöhen. Rund 1.100 Tonnen Lebensmittel werden dort jährlich serviert. Viele Schulen, Kindergärten, Tagespflegeeinrichtungen und Krankenhäuser folgen diesem Trend. "Vor allem im öffentlichen Sektor gibt es zunehmend Küchen, die Bioprodukte einsetzen", sagt Nicole Danielsen von der Deutsch-Dänischen Handelskammer in Kopenhagen. Und das hat einen einfachen Grund: Der Staat möchte, dass die Biofläche zunimmt und sich der Biosektor insgesamt weiterentwickelt. "Deshalb wollen die öffentlichen Einrichtungen in ihren eigenen Küchen mit gutem Beispiel vorangehen." Daneben gibt es immer mehr Firmen, die sich mit einem Bioangebot in ihrer Kantine profilieren möchten.

Bio-Cuisine Logo

Über 1.700 Küchen der Gemeinschaftsverpflegung nutzen aktuell das im Jahr 2009 in Dänemark eingeführte Bio-Cuisine Logo. Es soll Caterer, Kantinen, Restaurants und andere Küchen dazu anregen, verstärkt biologische Produkte bei der Zubereitung der Speisen einzusetzen. Drei verschiedene Varianten des Logos informieren die Gäste über den Anteil der biologischen Zutaten.

30 – 60 % biologische Zutaten beim Logo in Bronze
60 – 90 % beim Logo in Silber
90 – 100 % beim Logo in Gold

Die dänische Fachbehörde für die Lebensmittelüberwachung vergibt das Logo. Das Verfahren ist unkompliziert, pragmatisch und für die Küchen kostenlos: Über eine Onlineregistrierung geben die Küchen ihre Daten zum Einsatz der Bioprodukte an – zusammen mit den Rechnungsbelegen für den Einkauf. Nach zwei bis vier Wochen erhalten sie einen Bescheid und können – bei erfolgreicher Prüfung – ihre Speisen mit dem Bio-Cuisine Logo ausloben. Vorgesehen sind zudem Stichprobenkontrollen, bei denen die Küchen alle Angaben vor Ort belegen müssen. Zudem erhalten die Küchen über den dänischen Verband für Ökolandbau ("Økologisk Landsforening") Unterstützung für ihre Marketingmaßnahmen.

Webseite zeigt den Weg zur Bioküche

Auf einer fortlaufend aktualisierten Webseite (siehe unten) kann man die Restaurants, Caterer, Kantinen, Cafés usw. finden, die ein Bio-Cuisine Logo verwenden. Ein Blick auf die Onlinekarte zeigt, wo die regionalen Schwerpunkte liegen: Natürlich im Großraum Kopenhagen und in größeren Städten wie Aarhus, Aalborg oder Silkeborg. Aber die Symbole für die verschiedenen Küchentypen finden sich verteilt über das ganze Land. Offensichtlich hat der Trend zu mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung ganz Dänemark erfasst.

Erfolgsfaktoren

Neben der gezielten Förderung durch die Politik spielen auch die Megatrends in der dänischen Küchenlandschaft eine wichtige Rolle. "Bio, saisonal und innovativ" seien die typischen Attribute der "New Nordic Cuisine", so der Dänische Fachverband der Land- und Ernährungswirtschaft. Diese innovativen Küchen werden in den nächsten Jahren verstärkt auf Reinheit, Tierwohl und Nachhaltigkeit setzen. Mit eine Rolle für den Erfolg des dänischen Bio-Cuisine Logos spielt sicher auch, dass es auf den Erfahrungen des 2001 eingeführten Smiley-Systems aufbaut. Alle Lebensmittelbetriebe werden nach unangekündigten amtlichen Kontrollen mit Smileys in fünf "Mundwinkel-Kategorien" bewertet. Die Auslobung des Bioanteils erfolgte in Anlehnung an das in Dänemark erfolgreich eingeführte Smiley-System.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind es gewohnt, auf solche Zeichen zu achten und darüber etwas über die Qualität der Lebensmittel zu erfahren. Kurz gesagt basiert der Erfolg von Bio in der dänischen Gemeinschaftsverpflegung auf drei Säulen: Der staatlichen Förderpolitik für den ökologischen Landbau, einer wachsenden Sensibilität auf Verbraucherseite und einem professionellen aber gleichzeitig einfach zu handhabenden System der Umsetzung. Marktexpertin Nicole Danielsen ist sich deshalb sicher: "Der Trend in Richtung Bio wird sich in den dänischen Küchen weiter fortsetzen."
WERBUNG
Verwandte Produkte zu dieser Meldung
Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / Redaktion Ökolandbau
Bild: © pixabay
zurück zur Übersicht
Das könnte dich auch interessieren
  • Bäuerlichen Betrieben eine Zukunft geben Abbildung

    Bäuerlichen Betrieben eine Zukunft geben

  • Sommerdrinks für heiße Tage Abbildung

    Sommerdrinks für heiße Tage

  • Sortenreine Produkte in unseren Bäckereien Abbildung

    Sortenreine Produkte in unseren Bäckereien

  • Mit diesen Tipps ganz einfach Insekten helfen Abbildung

    Mit diesen Tipps ganz einfach Insekten helfen

  • Green Product Award 2017 Abbildung

    Green Product Award 2017

  • Allergenkennzeichnung Abbildung

    Allergenkennzeichnung

  • Erster Bio-Dünger aus 100 % regionalem Klee Abbildung

    Erster Bio-Dünger aus 100 % regionalem Klee

  • Biokreis tritt Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser bei Abbildung

    Biokreis tritt Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser bei