Bio und Verpackungen - ein Widerspruch?
Coss-Moss Bereich Essen & Trinken Top Beitrag

Darf eine Biogurke in Plastik verpackt sein?

14.11.2016 Laut den EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau müssen Verbraucherinnen und Verbraucher Bioprodukte klar von konventionellen Produkten unterscheiden können. Deshalb verpackt der Handel Tomaten und Gurken in Plastikverpackungen oder Netze. Diese schützen die Produkte und es lässt sich am Etikett auf einen Blick erkennen, dass es sich um Bioware handelt. Gerade bei der Biogurke haben sich verschiedene Alternativen wie Banderolen oder Aufkleber nicht durchgesetzt. Wer Plastik vermeiden will, muss sein Obst und Gemüse unverpackt in Naturkostländen oder gleich im Biohofladen kaufen.

Dürfen Obst und Gemüse in die Tüte?

Natürlich ist es am besten, Orangen, Möhren und Co. lose in den Einkaufskorb zu legen. Aber im Vergleich zu vorverpackter Ware sind die sogenannten Knotenbeutel aus Kunststoff oder Papiertüten (Service-Verpackungen) ökologisch harmlos. Das zeigt der durchschnittliche Packmittelverbrauch pro Kilogramm. Ein Beispiel: Für 500 Gramm Trauben braucht man durchschnittlich fast acht Mal so viel Kunststoff für eine Schale mit Deckel als für einen Knotenbeutel aus Kunststoff, so der NABU. Mit einem größeren Angebot an loser Ware ließe sich ein signifikanter Anteil des Verpackungsmülls einsparen.

Was schreiben die Biorichtlinien vor?

Die EU-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau beinhalten bisher noch keine besonderen Anforderungen an die Verpackung von Bioprodukten. Die meisten Bioverbände haben in ihren Richtlinien allerdings allgemeine Vorgaben und Anforderungen an die Verpackung formuliert. So sind schwer abbaubare Kunststoffe wie PVC verboten und Aluminium nur in Ausnahmefällen erlaubt. Darüber hinaus haben einige Ökoverbände produktspezifische Positivlisten erstellt. Darin steht, welche Verpackungsmaterialien für bestimmte Produktgruppen verwendet werden sollten. So sind beispielsweise mit Polyethylen beschichtete Milchkartons erlaubt, dagegen mit Alufolie beschichtete Verbundverpackungen nicht.

Warum sind selbst manche Bioprodukte mehrfach verpackt?

Nachhaltig zu verpacken, heißt so wenig Verpackungsmaterial wie möglich zu verwenden: dem Lebensmittel nur so viel Schutz zu geben, wie lebensmittelrechtlich und für den Qualitätserhalt nötig ist. Dieser ökologische Minimalismus widerspricht unseren Kaufgewohnheiten. Meistens setzen wir viel Verpackung mit viel Schutz und einem wertvollen Inhalt gleich. Ein Produkt mit wenig Verpackung empfinden wir eher als minderwertig. Ein schön gestalteter Schutzkarton in Packpapieroptik wirkt umweltfreundlicher als ein reiner Kunststoffbeutel. Obwohl es tatsächlich eine unnötige Zusatzverpackung ist. Hier gilt es also, seine Gewohnheiten zu überdenken.

Sind Biokunststoffe besser?

Jein. Das kommt nämlich darauf an, woraus diese Kunststoffe bestehen. Rohstoffe wie Mais stammen von Feldern, die wir für die Nahrungsmittelerzeugung benötigen. Hinzu kommt, dass die sogenannten kompostierbaren Biofolien häufig nicht in der Komposttonne landen, sondern im Restmüll oder im gelben Sack. Dort können sie die Recyclingqualität der normalen Kunststoffe verschlechtern. Aber sicherlich gibt es bald auch wirklich nachhaltige Biokunststoffe. So haben zwei Wissenschaftlerinnen der Universität Hohenheim im Labor aus Chicorée-Salat-Abfällen Hydroxymethylfurfural (HMF) gewonnen. Das ist ein Basisstoff in der Kunststoffindustrie, aus dem sich künftig beispielsweise Plastikflaschen herstellen ließen. Und eine niederländische Firma hat den europäischen Nachhaltigkeitspreis "Packaging Europe Sustainability Awards 2016" dafür erhalten, dass sie Tomatenschalen aus Pappe mit Ernteresten von Tomatenpflanzen anreichert. So werden die Tomaten quasi in sich selbst verpackt.

Was kann ich tun?

"Es gibt keine absolut ökologische Verpackung. Prinzipiell kommt es auf Produkt, Abfüllbedingungen, Nachhaltigkeitsansatz und Distribution an. Meistens ist es nicht das Material an sich, sondern das zu viel des Materials ein Problem", erläutert Verpackungsingenieurin Carolina Schweig.

Die Beraterin für nachhaltige Verpackungen gibt folgende Tipps:

Möglichst sortenreine Verpackungen aus sauber trennbaren Einzelstoffen kaufen, diese lassen sich viel besser recyceln als Verbundverpackungen.

Alles was silbrig glänzt, ist wahrscheinlich Aluminium. Gegen Alu sprechen der Raubbau beim Rohstoffabbau und der hohe Energieverbrauch. Aluverpackungen möglichst vermeiden oder sauber recyceln, zum Beispiel den Aludeckel vom Joghurtbecher nehmen und getrennt recyceln lassen.

Glas im Mehrweg zu kaufen, ist optimal bei Transportwegen von 200 bis maximal 300 Kilometern. So sind Gläser für Milch und Joghurt aus regionaler Herkunft ideal.

Keine Produkte mit Umverpackungen kaufen, eine Suppenterrine im Becher braucht keine zusätzliche Kartonmanschette.
WERBUNG
Verwandte Produkte zu dieser Meldung
Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
zurück zur Übersicht
Das könnte dich auch interessieren
  • Kartoffeln richtig ernten und lagern Abbildung

    Kartoffeln richtig ernten und lagern

  • Mitmachen und gewinnen! Abbildung

    Mitmachen und gewinnen!

  • Öko-Erlebnistage vom 2. September bis 3. Oktober 2017 Abbildung

    Öko-Erlebnistage vom 2. September bis 3. Oktober 2017

  • Lebensfreude Messe in Kiel Abbildung

    Lebensfreude Messe in Kiel

  • Food Trend Vegan und Vegetarisch: Kennzeichnungspraxis Abbildung

    Food Trend Vegan und Vegetarisch: Kennzeichnungspraxis

  • ProVeg statt VEBU Abbildung

    ProVeg statt VEBU

  • Dr. Hauschka und die erste Liebe Abbildung

    Dr. Hauschka und die erste Liebe

  • The Fruit Tree – Der Bio-Fruchtaufstrich mit nur einer Zutat Abbildung

    The Fruit Tree – Der Bio-Fruchtaufstrich mit nur einer Zutat