Algen: Vom Meer auf den Teller
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Während Algen schon seit Jahrhunderten fester Bestandteil der asiatischen Küche sind, wurden sie in Europa lange Zeit kaum beachtet. Doch das ändert sich langsam – zu Recht!

29.07.2017 Noch sind Gerichte mit Meeresalgen in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung nur vereinzelt zu finden. Doch das könnte sich bald ändern. "Algen werden in den kommenden Jahren als besonders nährstoffreiches Gemüse auch auf unseren Tellern Karriere machen", schreibt die Trendforscherin Hanni Rützler in ihrem Food Report 2017. Und das nicht nur als Hülle für Maki (Sushi-Rolle), sondern auch in Pasta, frischen Salaten oder als interessante Geschmacksbereicherung bei vegetarischen Gerichten.

Dass Meeresalgen in den nächsten Jahren zu einem Trendprodukt werden könnten, glaubt auch Michael Radau, Vorstand der regionalen Kette SuperBioMarkt mit etwa 25 Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Ulrich Hees, Geschäftsführer der maBitec GmbH, hält aktuell Meeresalgen zwar noch für ein Randthema. "Doch in den letzten zehn Jahren hat sich die Nachfrage gewaltig gesteigert", weiß der auf Algenprodukte spezialisierte Händler, der vor allem die Lebensmittelindustrie beliefert. Deshalb ist auch er sich sicher: "Das nährstoffreiche Gemüse aus dem Meer wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen".

Ein bis zwei Gramm am Tag

Meeresalgen enthalten nicht nur mehr Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe als herkömmliches Fleisch oder Gemüse. Besonders in der vegetarischen und veganen Küche tragen sie dazu bei, essentielle Inhaltsstoffe wie beispielsweise das Vitamin B 12, Zink oder Jod zu liefern. Während Landpflanzen in der Regel nur jeweils bestimmte Nährstoffe enthalten, bringen Meeresalgen ein ganzes Spektrum an ernährungsphysiologisch wichtigen Inhaltsstoffen auf den Teller. Sie entfalten deshalb ihre Wirksamkeit, auch wenn sie nur als eine kleine Zutat in Gerichten verwendet werden. "Ein bis zwei Gramm Meeresalgen am Tag machen einen riesigen Unterschied für unsere Ernährung", weiß Simon Ranger, der Gründer der britischen Seaweed Health Foundation. Die 2010 gegründete NGO setzt sich im Vereinigten Königreich für die Forschung, Qualitätsstandards und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema "Meeresalgen" ein.

Inhaltsstoffe der Meeresalgen

Im Hinblick auf unserer Ernährung sind Meeresalgen wahre Alleskönner und eignen sich daher sehr gut auch als Alternative zu Fleischprodukten:

- bis zu 47 Prozent Proteine in roten und grünen Meeresalgen (zum Vergleich: Sojabohne: 36 Prozent),
- hoher Gehalt an Omega-3 Fettsäuren, die sonst vor allem in Fisch und teilweise in Pflanzölen vorkommen,
- hohe Gehalte an Vitaminen A, C, E und B12 sowie Ballaststoffen
- viel Mineralstoffe und Spurenelemente, wie Calcium, Eisen, Zink und Jod.

Umami-Geschmack

Aber nicht nur aus ernährungsphysiologischer Sicht punkten die Makroalgen. Biospitzenkoch Konrad Geiger sieht in den Meeresalgen auch geschmacklich große Potenziale, um das kulinarische Angebot zu bereichern. Aufgrund ihres Umami-Geschmacks lassen sie sich mit Kreativität in der Küche vielfältig einsetzen. Ob eine Miso-Suppe mit Seidentofu-Stückchen und Nori-Algen zum Frühstück, Algenspaghetti oder ein leckerer Süddeutscher Heringssalat (bei denen Algen den Fischgeschmack liefern) - Konrad Geiger schwärmt von den vielfältigen kulinarischen Möglichkeiten. Dabei empfiehlt der Küchenprofi, sich im wahrsten Sinne des Wortes "in kleinen Häppchen" dem Thema Algen zu nähern. Allerdings sollten seiner Erfahrung nach die Neugierde und Offenheit der Gäste keinesfalls unterschätzt werden.

Nachhaltige Algenproduktion

Last but not least haben Makroalgen von Natur aus viele ökologische Vorteile: Die Zucht erfordert in der Regel nur einen geringen Einsatz externer Stoffe (keine Futtermittel, keinen oder kaum Dünger, kein Einsatz von Medikamenten) und auch die Wildsammlung kann, sehr nachhaltig gestaltet werden. In den aktuell gültigen EU-Rechtsvorschriften zur ökologischen Produktion finden sich Vorschriften für die Sammlung und die Zucht von Meeresalgen.

Darin wird unter anderem gefordert,

- dass die Gewässer eine hohe ökologische Qualität aufweisen (keine Kontamination unerwünschter Stoffe),
- dass die Erntemengen keinen gravierenden Eingriff in die aquatische Umwelt darstellen,
- die Bestände nachhaltig bewirtschaftet werden und dies auch detailliert dokumentiert wird,
- bei Algenkulturen im Meer nur natürlich vorkommende Nähstoffe verwendet werden,
- bei Anlagen an Land der Nährstoffgehalt der abfließenden Gewässer nicht den des zufließenden Wassers übersteigt.

Der Naturlandverband hat im Jahr 2013 eigene Makroalgen-Richtlinien festgelegt, die in einigen Punkten über die EU-Verordnung hinausgehen.
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Quellen:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) / ökolandbau.de
Bild: © pixabay
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